Kuna Yala / Islas San Blas, Chichimé
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| Bienvenidos! |
Am
Morgen nehme ich ein Lancha aus Capurganá und komme nach etwa 30-minütiger (nasser!) Fahrt in Puerto Obaldía an. Diese
panamaische Militärbasis hat wenig Einladendes, aber zu meiner Freude bemerke
ich im Hafen sofort ein kleines Cargo-Schiff und frage mich welches Ziel es
wohl ansteuern mag.
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| Did not work |
Auch den verschollenen Australier (Anthony) entdecke ich
Freundschaftsbändchen produzierend am Strand. 16 Tage hat der Arme hier nun bereits
ausgeharrt. Nach der Immigrationskontrolle (bei der jeder Kolumbianer sein
komplettes Gepäck vor den Augen stark bewaffneter Militärs komplett ausräumen,
durchsuchen lassen und wieder einpacken darf, während ich mit meinem deutschen
Pass einen Stempel bekomme und einfach durchgewinkt werde) mag ich nun also das
Haus des Kapitäns besagten Schiffes ausfindig machen. Die erste Person auf der
Straße weiß direkt, dass er das schönste (gelb gestrichene) und einzige
zweistöckige Haus des Dorfes bewohnt. Aha, Cargo machst scheinbar wohlhabend
zwischen Kolumbien und Panama. Eine kurze Verhandlungsrunde sichert mir
tatsächlich einen Platz auf dem Dampfer.
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| Our beloved vessel |
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| Hanging out on the lido deck |
Es geht fünf Tage durch das San Blas
Archipelago, mit der Möglichkeit hier und da von Deck zu gehen und die
bewohnten Inseln der Kuna Yala Indianer zu besichtigen, während die Crew löscht
oder belädt. Täglich drei Mahlzeiten (Reis, Reis, Reis) und die Übernachtung
nach dem abendlichen Festmachen findet wahlweise auf einer versifften Matratze
(in diesem Moment bin ich sehr dankbar über meinen kleinen Seidenschlafsack und
mein Reisekissen) oder in der Hängematte unter Deck statt. Für $100 (der Dollar
ist die offizielle Währung des Landes – auch wenn er hier Balboa heißt) scheint
mir das ein super Deal. Und tatsächlich, diese Reise werde ich rückwirkend nie
vergessen. Definitiv eines der kulturell spannendsten Erlebnisse meines Trips.
Neben den kolumbianischen Kapitän, Steuermann und 1. Maat besteht der Rest der
Matrosen aus Kuna Yalas, Vertreter eines stolzen indigenen Völkchens, dass die
365 (für jeden Tag eine) San Blas Inseln vor der Küste Panamas bewohnt, seine
eigene Sprache und Traditionen nach einem kurzen Krieg gegen die Spanier und Panamaer
in den 1930er Jahren weitestgehend konserviert hat und heuer quasi autonomen
Status von der Republik Panama genießt.
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| Reached tonight's port of call |
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| Kuna Yala revolutionary |
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| We invented this cool game and soon the kids all lined up to be the next one "hanging" |
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| Titanic |
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| Daily routine |
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| Coco loco |
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| The captain's the one with his feet up high |
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| Waste dump = Ocean |
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| Dolphins accompanying the boat |
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| Celebrating Kuna Yala independence month with the Gringo |
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| A girl from the village had her first period and is now considered a grownup - the women celebrate |
Während
der Seegang zunächst (auf dem ersten Teilstück bis zum Erreichen der südlichsten
Inseln) brutal ist und sich mir beinahe der Mageninhalt nach außen stülpt,
verbringe ich anschließend den Großteil meiner Zeit oberhalb der Kapitänskajüte
und lese ein Buch, lerne Spanisch, sonne mich bis der Arzt kommt oder quatsche
mit den jungen Burschen der Crew (die meisten zwischen 13 und 18 Jahre).
Geison, der 13-jährige, ist jetzt mein Facebook-Freund. Richtig interessant
sind die Landgänge. Die bewohnten Inseln bestechen durch die einfache Bauweise
der Holzhütten, die Heldenverehrung der o.g. Kuna Yala Revolution (sie
verwenden eine Swastika-Symbolik) und die traditionellen Gewänder der Frauen.
Auch das vollkommene Fehlen eines ökologischen Verständnisses macht mich baff.
Die Inseln sind eine reine Müllhalde („wir geben alles an das Meer zurück“).
Ich führe interessante Gespräche mit den Männern abends beim Billard oder am
Tisch in der zumeist einzigen Schänke der Insel; fast immer werde ich nach
vorsichtigem Beschnuppern dann zum Rum oder Seco (bäh!) genötigt, bei der ich
dann meistens auch irgendwelche wichtigen Leute der jeweils selbstverwalteten
Insel kennenlernen darf (die sich ebenfalls abends dort betrinken): der
Bürgermeister, der Nachtwächter des Parkes, der Sohn vom Sohn vom Sohn. Wenn
die Bootscrew nicht selbst hier ausharrt ist sie auf dem Schiff, wo wir uns
nach Einbruch der Dunkelheit meistens ein paar Filme anschauen (sofern es nicht
zum Billardspielen mit dem Bürgermeister geht). Ein Deutscher (Lars, du alter
Haudegen!), den wir am 2.Reisetag im Ozean aufgabeln hat Django Unchained dabei – Christoph Waltz rockt! Um 6 Uhr morgens
legen wir zumeist ab und schippern weiteren Inseln entgegen. Da es auf
unbewohnten Trauminseln kein Cargogeschäft zu tätigen gibt, wird dort auch
nicht festgemacht. So sehen wir diese schier unglaublichen Tropenparadiese
(eine Insel mit einer einzigen Palme – ich raste aus!) nur aus der Ferne beim
vorbeinavigieren. Lars und ich fassen den Entschluss uns am letzten Tag der
Kreuzfahrt auf der Insel Carti (eine kurze Bootsfahrt von der Straßenanbindung
nach Panama Stadt entfernt) von der Belegschaft zu verabschieden und eben genau
eine solche Insel aufzusuchen. Nachdem wir zuvor bereits den Kuna Yala
diesbezüglich auf den Zahn gefühlt haben und Chchimé der auserkorene Favorit
war, nehmen wir für $15 ein 45-minütges (sagte ich bereits nasses?) Lancha
dorthin.
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| Beautiful Chichimé |
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| Chichimé continued |
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| A sea shell |
Willkommen
im Paradies. Dieses mittelgroße Eiland (vielleicht 300x300m – in 15 Minuten
komplett umrundet) wird von exakt 3 (!!) Familien bewohnt. Bei einer dieser
lassen wir uns für 3 Tage und 2 Nächte nieder ($20 inkl. dreier Mahlzeiten).
Mein Aktionsradius hier kann als überschaubar tituliert werden. Während abends einige
Segler (für $600) auf ihrem Trip von oder nach Kolumbien hier haltmachen und
man beim Lagerfeuer Reisegeschichten austauscht sind die Tage ebenfalls nicht
von allzu großen Anstrengungen geprägt: Sonne, Buch, Langusten mit Kuna Yala Papa
fangen und ins kochende Wasser werfen und mit den Kuna Yala Kids Sandburgen und
Staudämme bauen während die Hummer gar werden. Fünf Kinder gibt es übrigens bei
dieser Familie, von 4 bis 11 Jahre, die Mama ist auch schon 25. Ein
Schnorchelausflug zu einer Nachbarinsel steht dann auch noch auf der Agenda.
Dort schnorcheln wir an einem Schiffswrack herum und mein Entschluss steht,
dass auch in 30m Tiefe zu können. Ich habe gehört Honduras besäße klasse
Tauchgebiete…?
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| The lonely island |
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| The not so lonely island |
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| We ate these |
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| This one we did not eat |
Ciudad Panamá
Die
Kuna Yala sind tüchtige Geschäftsleute und so verwundert es auch nicht, dass
sie für die zweieinhalbstündige Fahrt im 4x4 nach Panama Stadt $25 verlangen.
Es ist Sonntag und ein kurzer Fußmarsch bringt uns an die Hauptstraße die von
panamaischen Wochenendreisenden in ihren SUVs frequentiert wird. Kurz den
Daumen rausgehalten und schon werden Lars und ich auf zwei Autos verteilt über
die extrem hügeligen Straßen nach Panama kutschiert – umsonst versteht sich.
Die Leute im Auto sprechen fließend Englisch, kleiden sich westlich, sind
gebildet und repräsentieren einen anderen Teil des Landes – den
amerikanisierten. Der Einfluss, den die USA durch den Bau und Betrieb des
Panama-Kanals von Beginn des 20. Jhdt. bis in die 80er Jahre unter Reagan hier
ausübten, ist unverkennbar. Panama City trägt den Beinamen Little Miami und eine
gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht bestreiten (obwohl ich Miami dreckiger in
Erinnerung habe – abgesehen von South Beach). Ich lasse mich in Casco Viejo nieder, dem historischen
Kerns Panamas, wo momentan die vielen Baustellen und der Lärm der
Renovierungsarbeiten das Stadtbild prägen – die Preise sind hier auch steiler
als in den meisten lateinamerikanischen Ländern, ich zahle $12 für ein Bett im
8-er Schlafsaal.
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| Panama City |
Viel
Zeit verwende ich auf eine Menge logistischer Erledigungen: das erste Mal
Internet nach 10 Tagen, ein Apple Store, der mir nicht weiterhelfen kann (wieso
funktioniert mein Wifi auf dem iPhone nicht mehr, kennt sich da jemand aus? Ich
habe restored, resetted und rekalibriert, das Problem bleibt bestehen – ich
vermute ich benötige eine neue Wifi-Antenne und muss bis dahin auf die 3G Netze
Zentralamerikas setzen) und ein Paket dicker Kleidung (Alpacca-Pullis, Mützen,
Ponchos etc.) zum Versand nach Deutschland ($40 für 3kg und letztlich 3 Wochen
Lieferzeit).
Das
kleine Highlight meines kurzen Besuchs in der Stadt bleibt jedoch der
Tagesausflug an besagten Kanal. Die Tanker, die hier binnen ca. 20-30 Stunden die 80 km von Pazifik zu
Atlantik und umgekehrt queren, sind massiv. Es gibt ein nettes Museum zur
Geschichte und Bedeutung des Kanals, einen patriotischen Film über die
eigenverantwortliche Kontrolle durch Panama seit dem 31.12.1999 und eine Aussichtsplattform auf der sich vornehmlich
Amerikaner Chips, Hot Dogs und Cola reinziehen, während eine Dame über die
Außenlautsprecher Einzelheiten über das sich gerade in den Schleusen
befindliche Schiff und den Fortschritt des Schleusvorgangs preisgibt. Die
Besatzung winkt brav von den Schiffen, der Chips und Cola verzehrende
Amerikaner ist glücklich.
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| Me just before shaving |
Bocas del Toro
Eine
unbequeme Nachtbusfahrt bringt mich in den nördlichen Teil des Landes, nach
einer weiteren einstündigen Bootsfahrt erreiche ich Bocas del Toro auf der Isla
Colón. Ich habe bereits zuvor mit der viel gepreisten und legendären Aqua Lounge Kontakt aufgenommen und mir
ein Bett hier gesichert. Dieses Hostel ist in 15 Sekunden für $1 von Bocas zu erreichen, die Wassertaxis fahren den
ganzen Tag und die ganze Nacht und bringen das erlauchte Backpacker-Völkchen zu
ihrer Spielwiese. Komplett in/an das Wasser gebaut, mit kleinem Außenpool,
Schaukel, Trampolin etc. und einer Bar die um 11 Uhr morgens öffnet und dann
auch bereits frequentiert wird sowie Beer-Pong Tische an denen legendäre Duelle
mit meinen argentinischen Freunden folgen sollten („Che, boooooludo!“). Mir
schwant, was dort auf mich zukommt. Meine Tagesaktivitäten beschränken sich auf
das Besuchen von Stränden, Faulenzen und nächtlichem Feiern in der eigens für
den Karneval eingerichteten Casa Animal,
wo der DJ aus Treibgasdosen Feuer von der Bühne sprüht und die chilenischen
Mädchen aus dem Hostel sich den Beinamen Cage-Girls
mit einer sagenhaften Performance im Käfig und an der Stange wahrhaft verdienen.
Einmal fahre ich 40km mit dem Rad nach Bocas del Drago auf die andere Seite der
Insel, chille eine Stunde am Strand, den ich für mich alleine habe und fahre
dann wieder zurück. Als ich im Dorf ankomme laufen mir ein Haufen als Hühner
verkleideter Inselbewohner über den Weg – ach, es ist ja Karneval. Dieses
Spektakel lässt sich auch die folgenden Tage in den Straßen beobachten, die
Jungs treiben mit Peitschen und überdimensionierten Monsterköpfen ihr Unwesen
im Hühnerkostüm.
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| Aqua Lounge |
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| The carnaval chicken boys |
In der Aqua Lounge habe
ich mir die letzten zwei Tage einen Namen gemacht und so werde ich am dritten
Morgen von Carrie geweckt: „Hey, I need you out of this room asap, you’re
moving to staff room. We need a promoter, consider yourself hired.“ Der Deal
könnte schlechter sein. Ich
bekomme fortan freie Unterkunft, zwei freie Mahlzeiten und meinen gesamten
Verzehr an der Bar umsonst. Dafür bin ich täglich zwei Stunden in Bocas
unterwegs, spreche Mädels und Jungs auf der Straße und in den Hostels an,
wahlweise auf Englisch, Spanisch, Deutsch (was 99% der vertretenen Sprachen
abdeckt), verteile Flyer und lade zu unseren Events ein. Das wären Ladies Night
am Mittwoch und Samstag (Frauen trinken zwei Stunden umsonst und alle ticken
aus, vor allem wenn es regnet), Open Mic am Montag und Freitag (quasi Karaoke
mit Gitarrenbegleitung und anschließende freie Jam Session). Außerdem darf ich
das wöchentliche Beer-Pong Turnier organisieren und moderieren und abends bei
Bedarf an der Bar aushelfen. Nach 10 Tagen kündige ich – ich sehe wenig Zukunft
in diesem Job, meine Aufstiegschancen sind beschränkt und meine Gesundheit ist
auf Dauer gefährdet. Flucht nach Costa Rica.
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| Beer pong tournament |
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| Girls from Chile |
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| I found this to be a nice motive when I went for a run |
Costa Rica:
San José
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| I particularly like it when you cross a bridge and on the other end you get to a different country |
Die
Hauptstadt des teuren Costa Ricas ist nur Durchgangsstation auf dem Weg ins
wesentlich günstigere Nicaragua und so verbringe ich zwei sehr unspektakuläre
Tage in einem teuren ($14), aber modernen Hostel, treffe Tobi und Rene und
erhalte von den beiden rheinländischen Pharmakologen einen Grundkurs in der
Kunst des Bierpressens und Schopenhauers
Aphorismen zur Lebensweisheit. Ihr
seid klasse Jungs, habt ihr Lust mit nach Nicaragua zu kommen? Ok, let’s go!
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| A church |
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| At least the Imperial tasted good |