Wednesday, October 17, 2012
Brasilien - die ersten Wochen
Servus miteinander zu einer neuen Runde Blogspaß mit Maik. Mit diesem Bericht will ich in loser Folge über meine aktuellen Reiseaktivitäten informieren - er richtet sich hauptsächlich an Freunde und Bekannte in Deutschland, was auch die Sprachwahl erklärt. Ich habe wegen der Menge an Leuten, die man auf Reisen trifft lange darüber nachgedacht auf Englisch zu bloggen, mich aber letztlich für Deutsch entschieden, weil es einigen Leuten, die mir wichtig sind, schlicht einfacher fällt dem Blog so zu folgen und es außerdem enorm zeitsparend ist. Ich finde letztlich auch, dass auch eine gewisse Originalität und Konsistenz im Schreibstil so einfacher gewahrt werden kann. Diverse Posts, Uploads und Kommentare sowie Nachrichten auf Facebook und Emails dienen weiterhin der Kommunikation mit meinen englisch- und spanischsprachigen Freunden und Reisegefährten. Ein Kommentar noch zu den Fotos: Ich werde an dieser Stelle nur einige wenige einbinden. Alben mit ausgewählten Fotos findet ihr dann in ihrer Gesamtheit nach und nach auf Facebook.
Und nun viel Spaß beim Lesen!
Brasilien:
Foz do Iguaçu / Puerta Iguazu (Argentinien) / Ciudad del Este (Paraguay)
Und nun viel Spaß beim Lesen!
Kickoff / Luxemburg:
Nach
meinem Ausstand in Hamm, bei dem ich die Gelegenheit hatte mich noch einmal bei
vielen Freunden zu verabschieden ging es ab Sonntag mit leichten Kopfschmerzen
in die letzten Vorbereitungen, sprich: Packen. Ich versuche mich auf das
wichtigste zu beschränken und so effizient wie möglich zu bleiben. Anregungen
habe ich im Internet bei diversen Blogs gefunden und die Liste von Malte sowie
Tipps von Ibel, Markus und anderen haben mir weitergeholfen. Anbei auch eine
Liste meines Hausstandes für die kommenden Monate:
https://www.dropbox.com/s/n6tgawakazgqyaa/Packliste.pdf
Nach einer letzen Tollwutimpfung am Montag geht es dann am Dienstagmorgen los nach Luxemburg. Das Wetter ist trüb und regnerisch – die Stimmung gedrückt. Nachdem ich morgens bereits Melina und Mama geherzt habe folgt der emotionale Abschied von Dre in Köln, die am nächsten Morgen nach Korea fliegt. See you in a few months! Nachdem ich nach einem gemeinsamen Essen Papa in Luxemburg ‚Adieu‘ sage und mir auch das alles andere als leicht fällt steht der erste Teil der großen Tour an. Marthe empfängt mich in ihrer Wohnung, wo ich gemeinsam mit David aus Israel ihre Couch surfe. Ich habe mir extra für diesen Trip einen Account erstellt (www.couchsurfing.org). Ich halte das für eine extrem coole Art einen Ort kennenzulernen, da man die Möglichkeit hat von Locals die besten Spots und Sights zu erfahren. Natürlich muss man dazu im Vorfeld immer genau seine Reisedaten kennen zwecks Planung. Das wird bei mir nicht immer der Fall sein, aber hier und da werde ich schon versuchen eine Couch zu klären. Gemeinsam gehen wir abends in eine Jazzbar und am nächsten Tag erkunde ich mit David (der zurzeit Jura studiert und nebenbei schreibt) zu Fuß LUX, bevor ich am Nachmittag zum Airport aufbreche. David treffe ich vielleicht nächstes Jahr in Israel.
https://www.dropbox.com/s/n6tgawakazgqyaa/Packliste.pdf
Nach einer letzen Tollwutimpfung am Montag geht es dann am Dienstagmorgen los nach Luxemburg. Das Wetter ist trüb und regnerisch – die Stimmung gedrückt. Nachdem ich morgens bereits Melina und Mama geherzt habe folgt der emotionale Abschied von Dre in Köln, die am nächsten Morgen nach Korea fliegt. See you in a few months! Nachdem ich nach einem gemeinsamen Essen Papa in Luxemburg ‚Adieu‘ sage und mir auch das alles andere als leicht fällt steht der erste Teil der großen Tour an. Marthe empfängt mich in ihrer Wohnung, wo ich gemeinsam mit David aus Israel ihre Couch surfe. Ich habe mir extra für diesen Trip einen Account erstellt (www.couchsurfing.org). Ich halte das für eine extrem coole Art einen Ort kennenzulernen, da man die Möglichkeit hat von Locals die besten Spots und Sights zu erfahren. Natürlich muss man dazu im Vorfeld immer genau seine Reisedaten kennen zwecks Planung. Das wird bei mir nicht immer der Fall sein, aber hier und da werde ich schon versuchen eine Couch zu klären. Gemeinsam gehen wir abends in eine Jazzbar und am nächsten Tag erkunde ich mit David (der zurzeit Jura studiert und nebenbei schreibt) zu Fuß LUX, bevor ich am Nachmittag zum Airport aufbreche. David treffe ich vielleicht nächstes Jahr in Israel.
Brasilien:
Rio de Janeiro
Am
Flughafen in Rom treffe ich Ian. Er kommt aus London und ist Tänzer,
Physiotherapeut und Lebenskünstler. Wir quatschen ein bisschen über unseren
bevorstehenden Trip. Er reist ein paar Wochen durch Brasilien und Buenos Aires
bevor er im Oktober nach Kanada zieht. Er hat bereits als Pre-Act für die Black
Eyed Peas getanzt. Crazy! Wir treffen uns erneut bei Ankunft in Rio und
verabreden uns für mittags im Hostel. Ich nehme den Bus nach Flamengo für R$12
(1€=2,6 Reais) und nach 1,5 Stunden im morgendlichen Berufsverkehr und 15 Min.
Fußweg komme ich bei Luciana und Amanda an, meine Couchsurfing Hosts für meine
erste Nacht in Brasilien. Die beiden gehen wieder ins Bett (ist ja erst 8 Uhr)
und ich bekomme die Schlüssel in die Hand gedrückt und mache mich folglich auf
den Weg. Noch etwas unsicher wegen meiner Dokumente und dem iPhone in der
Tasche erwarte ich hinter jeder Ecke die brasilianische Räuberbande, die nur
auf solche „Gringos“ wie mich wartet. Es geht aber alles gut. Einer meiner
ersten Eindrücke ist der fremde Geruch in der Stadt. Eigenartig,
gewöhnungsbedürftig. Es riecht nach Essen, Tieren und auch nach Dreck und teilweise
Exkrementen – das alles in tropischer Atmosphäre. Mittags treffe ich mich dann
erneut mit Ian: Wir flanieren an der Copacabana und durch Ipanema. Im Parque
Garota de Ipanema haben wir einen geilen Ausblick auf beide Strände. Es
entstehen gute Fotos. Am Abend nimmt mich Luciana zum Couchsurfing-Meeting an
der Copacabana mit; das Bier kostet hier unschlagbare R$2 und später geht es bis
zum Kopfweh weiter in Ipanema, wo der Abend im „Emporio“, einer beliebten Expat- und Touri-Bar, endet. Am nächsten Tag
beziehe ich ein Zimmer im Hostel und breche auf zu Cristo Redentor, der
weltberühmten Jesusstatue auf dem Corcovado. Hoch geht es auf einer idyllischen
30-minütigen Cable Car Fahrt durchs Grün. Oben ist es vollkommen überrannt,
aber die Aussicht ist fantastisch. Auf dem Weg treffe ich Marion und Lisa.
Marion macht gerade Sabbatical und ist nach Buenos Aires gezogen, Lisa ist nach
dem Abi schon 16 Monate durch Asien, Neuseeland und Südamerika gereist und
beginnt bald ihr Studium in Berlin. Wir verabreden uns abends für Drinks in
Lapa, eines der Party-Epizentren Rios. Zurück im Hostel trinken wir mit
freundlicher Unterstützung von Paul, dem südafrikanischen Barkeeper, 0,4l Caipirinhas
für R$5, obwohl Paul auch gerne mal einen umsonst raushaut. Lapa ist Freitagabends der Wahnsinn. Die Leute feiern auf der Straße überall tönt Musik
nach draußen oder Straßenmusiker ziehen die Leute in ihrem Bann. An den
Straßenständen gibt es Fleischspieße und andere Leckereien und Caipirinhas für
R$4. Die sind aber nicht so lecker wie die von Paul. Was folgt ist eine Menge
Spaß, Jubel, Trubel und Heiterkeit und nach ein paar Stunden Schlaf ein
morgendlicher Spaziergang im botanischen Garten, wo auch teilweise Affen um uns
herum turnen und sich zum Affen machen. Später schaue ich mir noch die
Innenstadt an. Das Interessanteste hier war sicherlich der Flohmarkt, auf dem
man all die Sachen kaufen konnte, die zuvor solchen Touris wie mir abgenommen
wurden. Ich hatte auch ständigen Geleitschutz von 1-2 übel ausschauenden
Gestalten, die mir entweder hässliche Uhren andrehen wollten oder vielleicht
darauf gehofft haben, dass mir zufällig Wertgegenstände aus den Hosentaschen plumpsen.
Ich bin dann schnell weg und am frühen Nachmittag zum Zuckerhut (Pao de Açucar)
gelaufen (entspannte 8km Fußweg), an dem ich dann mit meine FlipFlops bewaffnet
den Hike nach oben angetreten bin. Das ist eine tolle Gelegenheit die R$53 für
die Fahrt nach oben zu sparen. Außerdem ist Hiken gut für die Gesundheit! Oben
schaue ich mir den Sonnenuntergang an. Schön! Abends dann mit einigen Leuten
verzweifelt am Strand nach der Beachparty an der Copacabana gesucht von der im
Hostel jeder geredet hat bis sich herausstellt, dass es sich dabei tatsächlich
um eine Ansammlung von ca. 30 Menschen an einer Strandbar handelt. Man sagt uns
wegen der anhaltenden „Kältewelle“ (lediglich 28 Grad tagsüber und 16 Grad
nachts) bleiben die Brasilianer lieber drinnen. Achso. Am kommenden Tag für
mich das Highlight in Rio de Janeiro. Wir haben eine Favelatour gebucht. Mit
dem Bus geht es vom Hostel nach Rocinha, mit 120.000 Einwohnern die größte
Favela Brasiliens. Uns wird mitgeteilt, dass die Favela erst im November
letzten Jahres pazifiziert wurde (die Polizei marschiert ein und vertreibt die
Drogenbosse). Diese Tour wurde bereits seit 7 Jahren angeboten, das bedeutet
auch, dass man vor November noch Fotos mit 10-jährigen Halblingen machen
konnte, die mit Maschinenpistolen bewaffnet sind und sich neben den Gringos
postieren. Für einen Moment bin ich enttäuscht… RJ hat einige hundert Favelas
und etwa 30 davon werden mittlerweile von der Polizei kontrolliert. Die
Drogenbosse finden Unterschlupf in anderen Favelas oder verlassen die Stadt
ganz. Manche werden gefangen genommen, andere lassen beim Versuch der
Staatsgewalt Widerstand zu leisten ihr Leben. Der ehemalige Boss dieser größten
Favela des Landes sitzt seit einigen Monaten in lebenslanger Einzelhaft,
nachdem er mit mehreren Säcken voller Geld in den Rio umgebenden Hügeln aufgegriffen
wurde. Kein schönes Schicksal für einen 27-Jährigen. Die Tour startet unten am
Fuße der Favela. Mit Motorad-Taxis werden wir nach oben gefahren. Mein Fahrer
muss eine Show machen und überholt nach und nach die vor uns losgefahrenen Mopeds.
Ich überlebe und oben bietet sich und ein toller Blick über die Favela. Durch
enge Gassen steigen wir hinab. lernen über die Geschichte der Favelas des
Landes, essen Speisen in kleinen Läden und dürfen sogar Wohnhäuser besichtigen.
Die Bewohner sind freundlich – vom Geld der Touris werden eine Schule und der
Bau eines Krankenhauses mit kostenloser Versorgung finanziert. Außerdem sind
sie stolz, dass die Leute kommen um sich anzusehen, wo und wie sie wohnen. Kids
tanzen zu rhythmischen Klängen von Straßenmusik (auf Eimern, Aluminiumdosen und
anderen improvisierten Instrumenten) für uns und freuen sich über ein paar
Reais. Ein Kind fragt nach meiner $200 RayBan – ich sage natürlich nein und
fühle mich schlecht. Auf den Wegen liegt überall Müll, Hunde und Katzen
streunen herum, der Abwasserbach schlängelt sich neben und unter dem Weg her
und ist voll mit Gerüchen übelster Sorte. Einige Häuser sind eingestürzt oder
wurden vom letzten Regen weggespült. So sterben hier ständig Leute. Eine
medizinische Grundversorgung gibt es erst seit Kurzem (s.o.). Rocinha grenzt im
Übrigen direkt an Leblon, den reichsten Stadtteil Rios, in dem annähernd jeder
Grundstücksbesitzer Millionär ist. Ich nehme eine Menge Eindrücke aus
der Favela mit und verbringe den Rest des Tages an der Copacabana, wo Ian und
ich sogar noch in den Genuss kommen, beim Beachfußball gnadenlos abgezogen zu
werden.
| Cristo Redentor - Christus Erlöser |
Ilha Grande
Am
Montagmorgen brechen wir nach Ilha Grande auf, eine Insel 2,5h südlich von Rio.
Die Fahrt verläuft entspannt. Die Busse hier sind geräumig. Man hat mehr Platz
und eine wesentlich bessere Polsterung als im Flugzeug. Die Sitze lassen sich
weit nach hinten verstellen und das Gepäck kann man aufgeben. Die Wertsachen
nehme ich im kleinen Rucksack lieber mit an Bord. In der Hafenstadt Angra dos
Reis gehen wir (nachdem wir auf dem Schiff feststellen, dass uns das Zweifache
des normalen Preises abgeknöpft wurde) auf eine 1-stündige Bootsfahrt nach Vila
do Abrãao, dem Hauptort der Insel. An der Station treffen wir auf Bruno, der
uns abholt und uns den Weg zu unserem Quartier zeigt. Nach einem kurzen
Spaziergang am Strand folgt der etwa 15-minütige Hike zur „Jungle Casa“ – mit
20kg Gepäck auf dem Rücken ein Riesenspaß! Die Lage inmitten des Dschungels mit
den einladenden Hängematten, dem frischen Früchteteller, der für uns
bereitsteht und ein kühles Bier entschädigen für die Strapazen. Wir kochen
gemeinsam, gehen später in einem der Hostels feiern (Ian ist zwischenzeitlich
genervt, dass wir überall ständig auf Deutsche treffen). Der nächste Tag steht
komplett im Zeichen des Sports. Nach einem Workout und ausgiebigem Frühstück am
Morgen hiken wir drei Stunden lang durch die Tropen und kommen schließlich an
der „Praia Lopes Mendes“ an. Der wurde sogar irgendwo zum drittschönsten Strand
der Welt gewählt. Ich denke mir, dass ich allein drei schönere auf Hawai‘i
aufzählen könnte und schnappe mir ein Surfboard. Der Rest des Tages läuft dann
so: Wellenreiten, Bootfahrt zurück ins Dorf, Hängematte, Sonnenbrand,
Caipirinha. Nachdem ich am kommenden morgen eine kleine Runde über 4
verschiedene Strände gejoggt bin und das Thermometer um 9 Uhr schon an der
30°C-Marke kratzt, entspannen wir in den Hängematten und fahren am Nachmittag
wieder zurück aufs Festland. Hier geht es in den Bus nach São Paulo – vor uns liegen 7 Stunden Fahrt.
| Ilha Grande |
São Paulo
Ian
und ich zweifeln, ob wir noch einmal rausgehen sollen. Es ist 0:30h, wir haben
uns im Hostel eingerichtet und wollen am Morgen eine Tour per pedes durch
Downtown machen. Wir stellen fest, dass wir seit über 24 Stunden nicht mehr
getrunken haben und sind entsetzt. Also per Taxi in die Rua Augusta, die uns zuvor
empfohlen wurde. Vor den Bars stehen junge Leute und trinken Bier auf der
Straße. Wir laufen die auf und ab, trinken und schwatzen hie und da mit, bevor
der Abend dann unspektakulär im Puff endet... ha, ganz so war es natürlich
nicht. Wir werden auf der Straße aber überall angesprochen und in die
„Etablissements“ gelotst. Wir lassen uns bequatschen und finden uns kurz später
von leichten Damen belagert an der Bar eines dubiosen Kellergewölbes mit einem
unverschämt teuren Bier (R$10) in der Hand ein. Ich erkläre der lediglich mit Bindfaden
bekleideten *Name vergessen*, dass ich wirklich nur zum Bier trinken hier bin
und sie lacht mich dafür aus/an, gibt mir einen fetten Schmatzer auf die Wange
und wackelt davon. Ihre Freundinnen wollen es ihr gleichtun – Ian und ich
ergreifen die Flucht ins Hostel (vorm Schlafengehen schnell noch die Wange
desinfiziert).
Morgens dann die besagte Tour im
Centro/Centro Novo. Ich bin beeindruckt von den großen Gebäuden, den
Menschenmassen in der Avenida 25 de Mayo (dicht gedrängt, voller
Straßenverkäufer, Bekleidungs-, Elektronik- und Ramschshops) und esse einen
Obstsalat im Mercado, in dem die Stände mit exotischen Früchten bestückt sind.
Das Highlight ist sicherlich das Edificio Banespa, welches dem Empire State
Building nachempfunden ist und unglaublich Views auf Sampa offenbart. Hier wird
einem klar, was für ein riesiges Moloch diese 20-Millionen Metropole ist. Die
größte Stadt der südlichen Halbkugel pulsiert unter mir.
Nachdem Ian zum Flughafen und Buenos
Aires aufbricht beziehe ich abends meine Couchsurfing-Bleibe für die nächsten
zwei Tage. Ich wohne mit Lucas, 26, und seiner jüngeren Schwester in Bela
Vista, direkt an der Avenida Paulista, der Ader der Stadt, die wegen ihrer sie
Reih an Reih umgebenden Hochbauten einem bei Nacht das Gefühl gibt man sei in
der Matrix. Abends ein besonderes Schmankerl, wir treffen Lucas Freunde bei
einem gemütlichen zusammensitzen und ich bin Lost in Translation, da alle
Portugiesisch sprechen. Gelegentlich wirft man mir einen Happen Englisch oder
ein Bier zu. Ich bin damit zufrieden.
Am nächsten Morgen jogge ich zum
Parque do Ibrapuera, dem Central Park der Stadt, der bei wolkenverhangenem
Himmel nicht seine ganze Pracht zeigen kann. Der Rückweg über die hügeligen
Straßen ist brutal, meine Beine bleischwer vom Alkohol der letzten Woche, aber
ich habe mir vorgenommen wenigstens 2-3 Mal die Woche Sport zu machen und ziehe
das bislang auch erfolgreich durch. Zum Mittag treffe ich Fabio (vom Vorabend)
in Vila Madalena. Er arbeitet hier und gibt mir eine Tour durch das
Bohème-Viertel, das mit toller Architektur und Grafittis beeindruckt. Wir
verspeisen 3 typische brasilianische Gänge in einem hip eingerichteten
Restaurant (es gab z.B. Chicken mit scharfer Schokoladensauce und
Bananenchips). Am Nachmittag besuche ich dann noch das Fußballmuseum im Estadio
Municipal, wo die Corinthians ihre Heimspiele austragen. Beim
Geschwindigkeitsmessen an der 3D-Torwand mache ich mit 89 km/h ganz locker
Pedro & Co. (53-72km/h) nass, die mich vorher im Museum die ganze Zeit
zugequatscht haben und mich am Ärmel in die Schlange zum Anstehen ziehen (ich
hatte ihm auf Portugiesisch zu verstehen gegeben: „Ich bin Deutscher“, „Ich
spreche kein Portugiesisch“, „Ich mag Podolski“). Pedro und seine Freunde sind
übrigens in der 5. Klasse. Es folgt ein Abend der besonderen Sorte. Mit der
Klikke vom Vortag wird an selber Stelle vorgetrunken und anschließend, so gegen
1:00 Uhr, geht es in den Club. Etwa 15€ Eintritt und das Bier für 4€. Chin
Chin! Zu den Klängen brasilianischen Schlagers & Funk à la James Brown mit
fetten Beats kocht der Laden über. Ich gebe den weißen Usher, habe eine mega
Zeit und erinnere mich nur noch dunkel an das Frühstück (Pizza und mit Käse
gefüllte Teigwaren) in einem Restaurant, in dem sich um 7 Uhr morgens die
Freunde der Nacht die Klinke in die Hand geben.
Am nächsten Tag besuche ich das MASP,
ein architektonisch ansehnliches Kunstmuseum, für das ich zunächst 15 Reais
legen soll. Ich flaxe rum, erzähle mit Hand und Fuß, dass ich meinen
Studentenausweis verlegt habe und versuche den zunächst skeptischen
Kartenverkäufer zu bequatschen. Lucas lacht sich neben mir schlapp. Ich bekomme
das Studententicket für R$6. Es gibt immer einen Weg in Brasilien das zu
bekommen was man haben möchte, die Brasilianer machen es irgendwie möglich bzw.
das Beste daraus. So hatte es mir Lucas vorher erzählt: Jeitinho brasileiro!
| São Paulo - vom Torre do Banespa |
Foz do Iguaçu / Puerta Iguazu (Argentinien) / Ciudad del Este (Paraguay)
Über Nacht fahre ich in die Region
Paraná in das 1000km entfernte Dreiländereck Brasilien / Argentinien /
Paraguay. Die Fahrt dauert 15 Stunden und kostet 28€. Was ein Schnäppchen.
Morgens um 9 Uhr komme ich in Foz do Iguaçu an. Bei jetzt schon mörderischer
Hitze erreiche ich mit Backpacker auf dem Rücken sowie kleinem Rucksack mit
Wertsachen und Laptop vorne schweißgebadet das Hostel. Der Grund meiner Reise
sind die Iguassu-Wasserfälle am Rio Paraná, die sowohl von der brasilianischen
als auch argentinischen Seite zugänglich sind. In ihrem Ausmaß sind sie die
größten Wasserfälle der Welt, mehr als dreimal so groß wie die Niagarafälle und
mit 2,7 km Länge ebenfalls größer als die Victoria-Falls in Afrika. Ich beziehe
mein Zimmer, verpacke iPhone und Bargeld wasserdicht und machen mich auf. Im
Bus treffe ich zwei freundliche ältere Herren aus Texas, die mich von ihrem
Verschwörungstheorie-Kult überzeugen wollen. Total lustig: World Trade Center,
die kommenden Wahlen in den USA, die Staatsangehörigkeit Barack Obamas – alles
Lügen. Und überhaupt gehören Politiker, Gefängnisse, 110 Zentralbanken auf der
ganzen Welt usw. den Bankiersfamilien Rothschild, Rockefeller und wie sie alle
heißen… Ich schlage ihr Angebot gemeinsam die Wasserfälle zu erkunden aus und
ziehe alleine von dannen. Im Umdrehen vernehme ich noch „Bob, Maik here was a
doubter!“ und bin furchtbar amüsiert. Die Wasserfälle halten was sie
versprechen. Ich hike den Trail entlang und habe eine wunderbare Sicht auf die gegenüberliegenden
Fälle auf der argentinische Seite. Das Panorama hier ist schlicht beeindruckend.
Am Ende des Weges kommt man sogar noch auf einem kleinen Steg bis ganz nah an
den Wasserfall heran. Dieser Teil nennt sich „Garganta do diabo“ – Teufelskehle!
Im Anschluss schaue ich mir den Vogelpark an und chille mit Papageien und Tukans
um die Wette (s. Profilbild im Facebook).
Am nächsten Tag folgt dasselbe Spiel
auf der argentinischen Seite. Diese unterscheidet sich von der brasilianischen
insofern, als man viel näher an die Wasserfälle heran kommt (dieses Mal sowohl
von oberhalb als auch unterhalb) und die gesamte Länge, die man am Vortag als
Panoramasicht genießen konnte nun auf drei verschiedenen Wanderwegen hiken kann.
Wir (englisches Mädchen, australisches Mädchen, Maik) haben dann noch eine
Bootsfahrt zu einer kleinen Insel gemacht. Mehr Hikes, mehr Views. Prima! Insgesamt waren die Fälle ein
beeindruckendes, wenn auch etwas teures (je ca. 20€ Eintritt) und touristisches
Vergnügen. Aber das gewaltige Naturschauspiel hier ist schon etwas ganz Besonderes.
Cool war auch der Weg auf die argentinische Seite: mit dem Bus vom Hostel zur
Grenzstation in Brasilien. Dort steigt man aus, bekommt ein Ticket für den
nächsten Bus und holt sich an der Grenze den Exit/Salída-Stempel für Brasilien.
Um mir die Wartezeit zu sparen bin ich einfach losmarschiert und habe die
Grenzbrücke (auf der einen Seite grün-gelb auf der anderen weiß-blau in den
Landesfarben gestrichen) zu Fuß überquert. War dann 25 Minuten später an der
argentinischen Grenzstation auf der anderen Seite und habe dort nach Holen des
Eintritt/Entrada-Stempels, den Bus zum Park genommen. Alles etwas nervig und
zeitaufwendig, aber wenigstens mal zu Fuß von Brasilien nach Argentinien
gelaufen. Das gleiche Spiel natürlich auch zurück. Weil vor mir ne Reisegruppe
Neuseeländer dort war und deren Guide mit 100 Pässen die ganze brasilianische
Belegschaft beschäftigt hat, durfte ich geschlagene zwei Stunden an der Grenze
warten. Bääh!
Nachdem ich mir für den Nachmittag des
Folgetags einen Bus nach Buenos Aires herausgeschaut hatte (es gibt nicht
wirklich günstige Alternativen diese ~1.400 km vernünftig zu überbücken, Flüge
kosten 200€+), hatte ich den Vormittag zur freien Verfügung und habe ihn
zunächst mit spanischen Verben in der Hängematte am Pool des Hostels verbracht.
Mittags bin ich dann noch kurz nach Paraguay gefahren (klingt lustig, oder?).
Mit dem Bus 20 Minuten zur Freundschaftsbrücke (Ponte da Amiztade) und von dort
wieder zu Fuß nach Ciudad del Este in Paraguay. Das Labyrinth der Straßenverkäufer
auf der gegenüberliegenden Seite erstreckt sich über mehrere Blöcke und was
einen da erwartet ist ein Basar günstiger und schlecht gefälschter Bekleidung
und noch günstigerer Elektronikartikel. Nachdem ich beim Versuch eine Kamera zu
kaufen mehrmals an der Ware (Original?) oder am Preis ($20 für eine Olympus?
Wirklich? Definitiv gefälscht!) gezweifelt habe, gab ich gefrustet auf. Die
Ausbeute des Nachmittags: eine iPhone-Schutzhülle ($2), eine freshe Mash-Cap
($4) und ein traditionelles paraguayisches Mittagsessen – McDonald’s, $6.
Paraguay war übrigens 1850/60 das reichste südamerikanische Land. Deren König
dachte dann es sei eine prima Idee sich mit der Allianz aus Argentinien, Uruguay
und Brasilien anzulegen. In einem mehrjährigen Krieg wurde der Großteil der
männlichen Bevölkerung Paraguays getötet und das Land verlor enorm an
Staatsfläche. Davon hat sich das arme Paraguay nie wirklich erholt und begann
kurz nach diesem Krieg mit der Massenproduktion gefälschter Hollister-Shirts – bis
heute eine Haupteinnahmequelle ;-)
Um mir den Grenzstress zu sparen und
weil ich schon hoffnungslos zu spät für meine Bus nach Buenos Aires war habe
ich improvisiert. Exit-Stempel in Paraguay, zu Fuß über die Grenze nach
Brasilien ohne Immigrationsstempel, fix zum Hostel mein Gepäck geschnappt und
mich vom Taxifahrer für ca. 7€ an die argentinische Grenzstation vom Vortag
fahren lassen, um nun dort wieder zu stempeln. Einmal kurz illegaler Transit durch Brasilien. Alles gut gelaufen. Ich war dann noch 30 Minuten vor
Abfahrt in Puerto Iguazú und habe jetzt 18 Stunden Busfahrt vor mir. Die Sitze
sind Cama, d.h. komplett herunterfahrbar, es gibt Decken und Kissen sowie ein
Bar mit Kaffee und Säften und auch Abendbrot und Frühstück sind inklusive. Ich
habe 90€ dafür legen müssen und hoffe, dass die längeren (und
preisintensiveren) Reisen damit vorerst ein Ende haben, nun da ich Brasilien
nach knapp zwei Wochen verlasse…
| Iguassu Fälle |
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