Monday, January 21, 2013
Ecuador
Guayaquil
Für
den nächsten Tag stricke ich mir eine kleine Stadttour zusammen, bei der ich
mir die schöne Kirche und die Aussicht von selbiger anschaue sowie ein wenig in
der historischen Altstadt flaniere.
Nach
Guayaquil, der größten Stadt des Landes, fahre ich mit Gilles aus Belgien, der
für einige Zeit als Barkeeper im Loki in Máncora gearbeitet hatte. Am
Busbahnhof stellen wir fest: es ist heiß ohne Gnade, mit Temperaturen um 35°C
und kaum einem Lüftchen. Dazu kommt die Luftverschmutzung, eine Smogglocke
liegt über der Stadt. Nicht gerade einladend und so halte ich mich auch nicht
länger als unbedingt nötig in Guayaquil auf. Als Startflughafen für Ausflüge auf
die Galapagos-Inseln versuche ich hier noch einen guten Deal für Silvester zu
bekommen und günstig auf den Archipel zu kommen, auf dem Charles Darwin seine
Evolutionstheorie entwickelte. Leider habe ich mir nicht gerade die
unbeliebteste Reisezeit ausgesucht und so liegen die günstigsten Preise für
Flug inkl. 5-7 Tage Aufenthalt bei etwa
$1.500-2.000. Nun gut, eines Tages bestimmt. Spätestens 2014 bin ich ja
zur WM ohnehin wieder in auf dem Kontinent ;) Es bleibt mir so noch genug Zeit
um den 3km langen Malecón 2000 entlang zu schlendern, eine gut bewachte
öffentliche Fußgängerzone am Flussufer mit Essbuden, botanischem Garten,
historischen Galeeren vor Anker und einem 180° Grad IMAX-Kino. An dessen Ende
schließt sich das artistische Viertel Las Peñas auf dem Hügel Santa Lucia an,
das für seine vielen günstigen und traditionellen Restaurants sowie diversen
Bars bekannt ist. Nun trete ich aber zügig die Weiterreise (ca. 3 Stunden) an
die Pazifikküste Ecuadors an. Gilles entschließt sich anders und reist einer
Bekanntschaft aus Máncora hinterher, die mittlerweile in Cuzco ist und so löst
er am Terminal Tickets für einen Bus nach Lima und anschließend nach Cuzco, die
ihn (planmäßig, worauf man sich ja in Südamerika nicht so sehr versteifen
sollte) in entspannten 52 Stunden und für schlanke 150$ zur Herzdame bringen sollen.
Es ist der Abend des 29.12. … do the math! Viel Glück Junge!
| On Cerro Santa Lucia in Guayaquil |
Montañita
Montañita
ist im Prinzip eine reine Partyhölle und dann gibt es noch ein bisschen Strand.
Beats pumpen hier von 4 Uhr nachmittags bis 10 Uhr morgens und so bin ich froh,
dass Casey (Australien) und Ralf (Djörmany) aus Máncora bereits ein Bett in
ihrem Dorm in Olón klargemacht haben. Das liegt hinterm Kliff eine etwa
3-minütige Taxifahrt für 1,50$ vom Epizentrum Montañita entfernt. Das Hostel
zweier junger Amerikaner, die hier Grundstück gekauft haben. bietet eine entspannte
Atmosphäre und so bleibt Zeit zum Filme schauen auf dem Beamer, Lesen, Chillen
und gelegentlich abends ausgehen. Auch einen Silvesterlauf (12km) am Strand
gönne ich mir, der nicht unwesentlich zum Schmerz am Neujahrsmorgen beiträgt.
Gemeinsam
ziehen wir an Silvester in unserer Hostel-Gruppe ins Dorf und feiern am Strand und in den
Straßen. Hier finden sich hauptsächlich rappelvolle und grölende Touris aus
Chile und Argentinien, da dort gerade Uni-Ferien sind. Am Strand werden alle
Sicherheitsvorkehrungen missachtet und so gibt es allerorten Lagerfeuer, in
welches die Ecuadorianer ihre teilweise lebensgroßen Pappfiguren (z.B. Super
Mario, Spiderman etc.) werfen bis es Bumm
macht und die Feuerwekrskörper im Innern explodieren. Andere werfen ihre
Raketen und Böller auch gerne mal so ins Feuer und diese schwirren dann in die
Menge oder Richtung Balkon irgendeiner Unterkunft mit Meeresblick. Auch in den
Morgenstunden findet die Afterhour am Strand in Sitzkreisen statt, wo Menschen
verschiedenster Herkunft sich ein frohes neues Jahr wünschen und mehr oder
weniger interessante Gespräche führen. Erinnert mich an zahlreiche Sommer auf
Sylt in jungen Jahren.
Neujahrsbeschluss:
nach 4-tägigem Faulenzen und unvernünftig hohem Alkoholkonsum wird es Zeit
wieder körperlich aktiv zu werden!
| Happy new year 2013! |
Quito / Cotopaxi
Die
Übernachtfahrt ist grausam! Mit Abstand die fieseste bisher auf diesem
Kontinent. Zunächst lässt man uns vor Abfahrt eine Stunde im stickigen Bus
sitzen, der dann doch nicht losfahren kann und nach einer weiteren Stunde
Wartezeit am Terminal transferiert man uns in den ebenso stickigen Ersatzbus.
Glücklicherweise hat die Dame am Ticketschalter mir den unbeliebtesten Platz in
der letzten Reihe direkt vorm Klo zugeschustert. Der Sitz lässt sich hier nicht
nach hinten verstellen, wozu auch bei einer 8-stündigen Nachtfahrt? Mein
Sitznachbar ist vollschlank und benutzt deshalb meinen Platz zur Hälfte mit.
Als Dank dafür schnarcht er mir die ganze Nacht durch meine Ohropax hindurch
eine nette Melodie. Neben mir im Gang sitzt jemand auf einem Hocker und benutzt
später meine Schulter als Kissen. Nachdem ich irgendwann doch leicht eingenippt
bin dauert es nicht lange bis man uns unvorgewarnt wieder weckt, um uns mitten
in der Walachei in einen weiteren Bus umsteigen zu lassen. Hier schlägt die
Stimmung dann auch bei den Mitreisenden um und das Personal sieht sich
lautstarken Flüchen und Motzen ausgesetzt. Lateinamerikanisch temperamentvoll…
Morgens komme ich im Secret Garden Hostel in Quito an und nutze die Gelegenheit
kurz zu frühstücken und den Ausblick von der Dachterrasse auf die Stadt zu
genießen, bevor es unmittelbar im Minivan weitergeht. Ziel: Vulkan Cotopaxi
![]() |
| Cotopaxi what it could have looked like without clouds - © Google |
Das
Secret Garden dort ist ein wirklich schönes Hostel, idyllisch gelegen und
kostet 30$ inklusive dreier Mahlzeiten. Auch Fahrräder kann man hier umsonst ausleihen und so mache ich am Nachmittag eine kleine Tour (Stichwort Akklimatisierung: von Meereslevel in
Montañita ging es immerhin auf 3.500m am Fuße des Vulkans). Am nächsten Morgen
in der Früh folgt dann die avisierte Vulkanbesteigung. Bis 4.500m werden wir
mit dem Transporter gefahren und sind dort losgestiefelt. Über Lavagestein geht
es steil bergauf bis zum Refuge auf 4.800m, Wind und Schneefall werden dabei
zunehmend stärker und so genießen wir die heiße Schokolade, die man uns hier
serviert. Die Wetterbedingungen bleiben schlecht. Andere Gruppen ziehen von
hier erst gar nicht weiter, aber einige von uns inklusive Guide wollen es dann
doch wissen und bezahlt haben wir ja ohnehin. Etwa weitere 1,5 Stunden
schmerzhaften Trabens dauert es bis wir den Gletscher auf ca. 5.100m erreichen.
Weiter hinauf geht es heute nicht – Der Umstand, dass wir knietief im Neuschnee
stehen und festgefrorene Eisschicht auf der Kleidung sowie kräftige Windböen
machen den Aufstieg für uns unmöglich. Dennoch habe ich diese super Tour
absolut genossen. Die meiste Zeit zumindest. So legen Kevin und ich die ersten
20km bergab zurück ab 4.500m Höhe dann auch als einzige mit dem Bike zurück.
Weil wir einen an der Klatsche haben und es trotz Schneeböen und
durchgenudelter Bremsen ein irrer Spaß ist. Übrigens habe ich während der zwei
Tage dort den Cotopaxi nie zu Gesicht bekommen, da er ständig wolkenverhangen
war. So in etwa hätte er aussehen können: (Google Bild?). Am Nachmittag geht es
noch zurück nach Quito. Auf dem Weg werden wir von einer amerikanischen Familie
aus Colorado begleitet, die den gesamten Weg aus den Staaten mit dem Auto
zurückgelegt haben. Bei Ankunft in Quito wird selbiges aus völlig fingierten
Gründen von der Polizei konfisziert und darf gegen eine Zahlung von ca. $100 am
nächsten Morgen wieder abgeholt werden. Korrupte Offizielle – einmal mehr.
| The glacier |
| A Yeti |
| The Church of the Society of Jesus |
Später fahre ich zur Mitte der Welt („Mitad del Mundo). Auch bekannt als Äquator (offensichtlich
namensgebend für dieses Land), der hier gleich an zwei verschiedenen Orten
angetroffen werden kann. Das ursprüngliche und heute etwa 30m hohe Monument aus
dem 18. Jhd. ist noch gut 300m falsch platziert. Offizielle GPS-Messungen
ermitteln den exakten Breitengrad an etwas anderer Stelle und so gibt es dort
ein kleines und äußerst interessantes Museum mit einer geführten Tour und Infos
über die indigenen Kulturen Ecuadors plus lustiger Experimente à la ‚Hier kommt
die Maus‘. Zum Beispiel testen wir den Effekt der Coriolis-Kraft auf den Ablauf
des Wassers. Es ist tatsächlich wahr, was wir bereits aus den Simpsons wussten: Der Klowasserstrudel
fließt auf der nördlichen und südlichen Atmosphäre in unterschiedlichen
Richtungen ab. Direkt auf dem Äquator fließt das Wasser gerade nach unten durch
den Abfluss. Außerdem ist es wegen sich ausgleichender magnetischer Kräfte
möglich ein Ei auf einer Nagelspitze zu balancieren. Immer noch recht tricky,
aber versuch das mal in Deutschland… Auch wie bei der Polizeikontrolle mit
geschlossenen Augen auf der imaginären Äquatorlinie zu laufen ist spaßig. Dem
Gleichgewichtssinn im Ohr fehlt hier jegliche Orientierung und man taumelt wie
mit 2 Promille.
| This is the middle of the world |
Nach diesem Ausflug geht es wieder zurück nach Quito und später
von dort weiter ins wundervolle Kolumbien. Yippieh ay yeah!
| Attractive guy in his mid-twenties standing on the equator |
Friday, January 11, 2013
Peru
Cuzco / Machu Picchu
Cuzco
ist die ehemalige Hauptstadt des Inkareichs und auch heute können noch viele
Ruinen und ehemalige Tempelanlagen hier und in der näheren Umgebung besichtigt
werden. Die spanischen Konquistadoren haben der Stadt einen kolonialen Charme
verliehen und so haben Oliver, mein australischer Reisekumpane, und ich die
ersten drei Tage genutzt um Cuzco etwas genauer zu erkunden. Highlights waren
unter anderem der Besuch der Christusstatue mit atemberaubendem Blick über die
Stadt sowie die Inkaruinen Sacsayhuamán direkt
nebenan. Außerdem war der Hauptplatz sehenswert und so gibt es auch das
McDonald’s Restaurant mit dem schönsten Ausblick, den ich bislang in einem
Franchise dieser Kette gesehen habe ;-) Auch für den Besuch des Qorikancha
blieb Zeit – ein interessanter architektonischer Mix aus dem ehemals
wichtigsten Inkatempel und kolonialer Kirche. Auf der Dachterrasse eines guten
Restaurants habe ich Fettuccine mit Llamagulasch gegessen. Interessante
Kombination. Auch das Partyleben von Cuzco braucht sich nicht zu verstecken und
konzentriert sich meistens auf die beiden Hostels Loki und Wild Rover, wo es
Gelegenheit gibt viele Reisende zu treffen, und anschließend geht es in einem
der örtlichen Clubs bis in die Morgenstunden weiter.
| Plaza de Armas, Cuzco |
Nach
Abgleich unsere Möglichkeiten haben wir uns für einen der alternativen Machu
Picchu Trails entschieden. Da wir beide nicht so heiß auf vier Tage wandern auf
dem Inka-Trail waren (es ist Regensaison) haben wir den Jungle-Trail für 4
Tage/3 Nächte gebucht. Für $230 all inclusive eine super Wahl wie sich
anschließend herausstellte, denn das Programm war absolut spitze: zunächst ging
es an Tag 1 auf 4.600m und von dort mit dem Rad hinunter in den Dschungel.
Kannte ich ja bereits von der „Death Road“ aus Bolivien: Downhill-Mountainbiking scheint sich zu meiner
Lieblingsaktivität zu entwickeln (später in Ecuador folgte das dritte Mal vom
Vulkan Cotopaxi). Mit dem Wetter hatten wir dabei weniger Glück und so ging es
durch strömenden Regen etwa 2 Stunden bergab – trotzdem ein großer Spaß. Blöd
nur, dass ich mein iPhone in der Regenjacke hatte (sollte doch eigentlich
trocken sein?!) und es unten völlig durchnässt den Geist aufgegeben hat. Die
nächsten zwei Tage brannte das Kameralicht durchgehend (jetzt kaputt) und das
Handy ließ sich nicht mehr anschalten. Nachdem ich es die ganze Zeit in einem
Marmeladenglas voll Reis transportiert habe war ich am Abend vor dem Machu
Picchu Besuch glücklich als es sich dann wieder einschalten ließ. Glück gehabt!
Im
direkten Anschluss ans Mittagessen folgte ein weiteres Novum mit hohem
Spaßfaktor. Im Rio Urubamba haben wir uns mit 6-Mann ins Rafting-Boot gesetzt
und sind den reißenden Fluss (Regenzeit – große Wassermaßen!) für etwa eine
Stunde hinunter gebrettert. Dabei blieb kein Auge trocken. Auch kein anderer
Körperteil. Ich war bereits nach der ersten Welle komplett durchnässt. Liegt
auch daran, dass ich als erster laut hier geschrien habe als es um die Plätze
ganz vorne ging. Eine Mordsgaudi, zumal der Fluss in Abschnitten 4+ auf der
White Water Rafting Skala von 1-5 gerated war. Absoluter Hammer!
Die
weiteren Tage haben wir mit Ziplining, Wanderungen entlang des Flussbettes und
probieren einer Menge tropischer Früchte (von unserem Guide frisch auf dem Weg
gepflückt) sowie Baden in heißen Thermalquellen verbracht. Auch über den
berühmten Inkatrail ging es dabei einige Stunden. Lustig waren das Überqueren
des Flusses in einer Art Eisenkiste, die per Seilzugsystem von zwei Personen
auf den gegenüberliegenden Ufern befördert wurde und das Wandern (auch das im
strömenden Regen) entlang der Eisenbahnschienen zum Dorf Agua Calientes am Fuße
des Machu Picchu.
Mit
dem Wetter hatten wir am nächsten Tag Glück, es blieb trocken. Der Aufstieg
(knapp 400 Höhenmeter) kann wahlweise mit dem Bus für $9 oder zu Fuß über
gefühlte tausend Treppen erfolgen. Keine Frage, oder? Um kurz vor 5 Uhr in der
Frühe stehen Oliver, Joschka und ich am Eingangstor zum Park mit etwa 30-50
weiteren Treppensteigern, die sich bereits hier eingefunden haben. Als um 5 Uhr
das Tor öffnet geht der Kampf los. Eine Stunde bei zügigem Tempo hat man uns
versprochen – 38 Minuten später stehe ich schweißgebadet als erster oben am
Eingangstor und begrüße ein paar Minuten später die ankommenden Arbeiter mit
einem „Bienvenidos a Machu Picchu“ und kurz darauf die anderen Busfahrer aus
unserer Gruppe. Um 6 Uhr öffnet die Pforte und nachdem wir uns standesgemäß
einen äußerst touristischen Stempel in den Reisepass geben lassen beginnt die
Tour mit unserem Guide der uns die Magie dieses abgelegenen, wolkenverhangenen
Inkadorfes näherbringt. Ich lasse hier die Bilder für sich sprechen. Auch den
weiteren Aufstieg zum Wayna Picchu machen wir mit und genießen die bombastische
Sicht auf die erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederentdeckte Inkastadt.
Der spätere Abstieg (erneut zu Fuß bis nach Agua Calientes) sorgen dafür, dass
die Fahrt im Touri-Zug beinahe komplett an mir vorbeigeht – ist eh dunkel
draußen. Am späten Abend in Cuzco angekommen reicht es noch für ein Bier an der
Hostelbar bevor ich völlig geschafft ins Bett falle.
| View from Wayna Picchu |
| A traditional Incan in his natural habitat: Machu Picchu |
Lima I
Auf
der Strecke nach Lima liegt Ica, dorthin verabschiedet sich Oliver am nächsten Tag.
See you at the Caribbean coast in Colombia son! Ica ist eine kleine Oase
inmitten großer Sanddünen, die sich zum Boarden eignen. Das hatte ich kürzlich
zweimal in Chile (Link) gemacht und so geht es für mich direkt nach Lima. Anstatt
der knapp eintägigen Busfahrt entscheide ich mich für die angenehmere und nur
unwesentlich teurere Variante eines kurzen Fluges (ca. 60€).
In
Lima wohne ich in Surquillo bei Jesús, der kürzlich ein Hostel eröffnet hat und
zusammen mit seinem Bruder Javier einen super Job dort macht. Mit den beiden
unternehme ich viel in Lima (Kino: Der Hobbit, Ausgehen in Miraflores), feile
an meinem Spanisch und habe eine gute Zeit. Jesús hilft mir bei einigen
organisatorischen Dingen (Flüge buchen, günstigen Bus suchen etc.) und wir
unterhalten uns über viele Dinge, die uns bewegen. Falls ihr mal zu Besuch in
Perus Hauptstadt seid kann ich euch das Royal
Backpacker Dolce Vita wärmstens empfehlen.
Einen
Tag habe ich genutzt um das Touriviertel Miraflores per pedes (d.h. joggend) zu
erkunden, vorbei am Küstenstreifen Costa Verde, wo auch mal wieder Zeit für
einige Leibesübungen blieb. Auch die gut erhaltenen prä-Inka Ruinen Pucllana habe ich an diesem Nachmittag besucht.
| Costa Verde, Miraflores, Lima |
Iquitos
Spontan
und mit Jesús Hilfe buche ich für den nächsten Tag einen Flug mit Peruvian
Airlines in den Dschungel. Für den 2-stündigen Flug (1.200km) zahle ich $150
hin und zurück. Außerdem kontaktiere ich Gerson, den ich im Internet gefunden
habe. Er hat einen Preis als einer der vier weltweit besten lokalen Guides
gewonnen und so erhoffe ich mir einen abenteuerliche Zeit in den Tiefen des
Amazonas. Ich sollte nicht enttäuscht werden. Gerson ruft mich noch am selben
Tag an („Maik my friend, I am calling you from the jungle. But
I’ll pick you up from the airport tomorrow morning and we can talk about your
trip..“). Perfekt! Mit
Gerson und seinem Buddy Frank verabrede ich für den übernächsten Tag auf eine 3-tägige
Tour in den Urwald zu gehen. Dabei werde ich mit einer Gruppe acht lustiger
Australier unterwegs sein. Das kann heiter werden!
| The magical Amazon basin |
| Streets of Iquitos |
Iquitos
ist neben Manaus in Brasilien die größte Stadt im Amazonas. Direkt am
gleichnamigen Fluss gelegen ist sie Ausgangspunkt für Exkursion in den
tropischen Regenwald. Meine zwei Tage hier verbringe ich vom ersten Moment an
komplett durchgeschwitzt (35°C plus brutale Luftfeuchtigkeit) mit entspannten
Bootstouren auf dem Amazonas und interessanten kulinarischen Erfahrungen (hervorzuheben
sind frittierter Alligator mit Bananen sowie das typische Ceviche, ein Gericht
aus Fisch eingelegt in einer zitronigen Soße und garniert mit einer Krabbe, die
ich vor dem Genuss zunächst knacken muss). Auf der Fahrt über den Fluss
begleiten mich Marco und Carlos, die ich tags zuvor in einer Disco bei einem
Miss Amazonas 2013 Wettbewerb kennengelernt habe, den wir alle sehr
unterhaltsam fanden! Der Fluss Amazonas ist überwältigend groß: zwischen 12 und
24km an seinen breitesten Stellen, Lebensader des größten Ökosystem unseres
Planeten. Wir fahren vorbei an Belen, dem ärmsten Viertel der Stadt, in dem die
Hütten auf Pfählen gebaut sind und in der Regensaison trotzdem überschwemmt
werden, was die Menschen hier jedes Jahr für einige Wochen auf die Straße
treibt.
| Marco, Carlos, and me on a chill boat tour |
| Belen, Iquitos |
Es
folgt der Ausflug in die Wildnis. Nach der Fahrt ins nahegelegene Nauta geht es
mit dem Motorboot etwa 3 Stunden über den Fluss in Gersons Dorf – allerdings
nicht ohne uns vorher mit stattlichen Macheten ausgerüstet zu haben. Alle
Einnahmen aus seinen Touren gehen zugunsten dieser 500-Seelen-Gemeinde
indigener Einwohner Perus. Zum Beispiel werden dafür Weihnachtsgeschenke für
die Kids gekauft. Eine gute Sache. Wir wohnen in einfachen Hütten am Ufer bei
der Familie unseres Guides. Noch am ersten Tag gehen wir nachmittags auf eine
Bootstour und fischen mit Holzangeln nach Piranhas und Katzenfischen. Am Abend folgt
ein erneuter Ausflug bei dem wir durch einen dicht mit Pflanzen bewachsenen
Seitenarm auf einen kleinen See zusteuern. Insekten jeglicher Art sind dabei –
trotz tonnenweise Mückensprays – Dauergäste auf Gesicht, Armen und im Boot.
Ganz bestimmt nicht jedermanns Sache. Auf dem See wird es etwas besser. Hier
gibt es einige Riesenseerosen zu bestaunen, von denen uns Gerson erzählt, dass
sie bis zu 30kg tragen und dass sie sich als Kinder einen Spaß daraus gemacht
haben sich darauf zu setzen, um zu schauen ob sie das Gewicht halten. Mir
fallen kaum lustigere Spielchen ein. Es ist mittlerweile dunkel und Gerson
macht mit seiner Kopflampe ein rot reflektierendes Augenpaar ausfindig. Nachdem
wir etwas heranrudern und Kurs halten legt er sich auf die vordere Spitze des
Bootes, immer die Augen mit der Lampe fixierend und… fängt mit bloßen Händen
(!!) den verdatterten Kaiman, dem die Augen gehören. Knaller! Einmal Kaiman in
den Händen halten. Check!
| Caiman (below) |
| Giant water lily |
| Machete 1-0 Scorpion |
Am
nächsten Tag der erste Ausflug in den Busch. Wir lernen Taschen aus
Palmenblättern zu basteln, allerlei Überlebenstricks, trinken Wasser aus einem
zuvor gefällten Baumstamm, essen nach Kokosnuss schmeckende Riesenmaden und
kleine kriechende Insekten aus einem kugelrunden Nest, das in den Bäumen hängt.
Ich bin Bear Gryllz! Das Herumalbern mit der Machete kommt auch nicht zu kurz.
So entmanne ich einen Skorpion, indem ich ihm seinen Giftstachel abhacke und
das Tier nachher in meinen Händen halte. Ist ja nun ungefährlich wie wir von
Gerson erfahren. Außerdem besuchen wir noch die Monkey Island und blödeln mit
Primaten herum und später im Dorf darf jeder einmal ein Faultier auf dem Arm
halten, das sich ganz liebevoll an seinen Träger kuschelt – in einem unendlich
langsamen Tempo versteht sich.
Highlight
des Nachtausflugs ist die handtellergroße Tarantula, die wir auf einer Palme
entdecken. Gerson beobachtet sie ein wenig und ist sich dann sicher, dass sie
harmlos ist. Gerson: „Wer will sich die Spinne ins Gesicht setzen?“. Maik
(vorlaut): „Hier!“ Gesagt, getan. Nachdem das Monstrum zunächst nicht
stilhalten will und mir über den Kopf krabbelt habe ich beim zweiten Versuch
Glück und sie hält still. Während ich mir bald in die Hose mache entstehen 2-3
coole Bilder (siehe Profilbild im Facebook) mit mir und Spidey auf meinem
Zinken. Grenzwertig, aber gut! Anschließend fangen wir noch einen lauthals protestierenden
Ochsenfrosch, den wir auch stolz zum Gruppenfoto mit uns nötigen.
| Spidermaik! |
Tags
darauf steht am Morgen Schwimmen mit den rosanen Flussdelfinen auf dem
Programm, die uns bereits auf den Bootsfahrten stetig begleitet haben.
Monsunartiger Regen (kommt auch schon mal vor im Regenwald) verhindert jedoch diese Aktivität und so bleibt nur in
der Hängematte zu chillen und auf den Rücktransport zu warten. Bevor ich in
Iquitos wieder in den Flieger gen Lima steige besuche ich noch mit Frank einen
kleinen See, in dem wir einige Riesenschildkröten mit Brot füttern. Das Ende
einer ereignisreichen und denkwürdigen Butterfahrt in den Amazonas-Dschungel.
| Rolling on the river! |
| Arcoiris in the jungle |
Lima II
Eigentlich
nur als kurze Durchgangsstation auf meinem Weg nach Norden gedacht kaufe ich
mir nach meiner nächtlichen Ankunft ein Busticket nach Máncora am kommenden
Nachmittag. Nachdem ich mich mittags mit Karo, die ich aus Rosario kenne, zum Essen in einer der
Chifas (China-Peru Fusion) treffe und wir ein wenig durch das Bohème-Viertel
Barranco schlendern geht es zurück zum Hostel zum Packen. Plötzlich rächen sich
die zuvor gegessenen Shrimps. Ein stechender Schmerz in der Magengegend, der zunehmend
heftiger wird. Die nächsten 2 Stunden verbringe ich in verschiedenen Positionen
auf dem stillen Örtchen. Jesús organisiert mir ein Ticket für den nächsten Tag
(erneut bezahlen, aber 30% Weihnachtsrabatt konnte er herausschlagen) und ich
gehe ins Bett und schlafe einige Stunden. Am nächsten Tag komme ich dann noch
dazu Downtown Lima zu besuchen, wo ich mir u.a. das Kloster San Francisco
anschaue, das als best erbauter architektonischer Komplex in Lateinamerika gilt
und in dessen Katakomben die gut erhaltenen Gebeine von etwa 70.000 Personen
lagern. Zu Mittag esse ich vegetarisch und sitze wenig später im bequemen Bus
(mit Wifi) auf der 20-stündigen Fahrt ins Surferstädtchen Máncora im äußersten
Norden Perus.
| I can see dead people! |
Máncora
Nur
etwa eine Stunde südlich der Grenze zu Ecuador liegt dieses beschauliche
Backpacker-Städtchen. Es gibt keine Sehenswürdigkeiten, hier wird einfach nur
am lauwarmen Pazifik entspannt. Ich buche mich ins Loki ein (selbsternanntes
Credo: Loki – get’s you toasted!), weil es dort insbesondere einen großen Pool
gibt, werde aber zunächst mal enttäuscht, da dieser gerade wegen
Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Immerhin ist das Meer wirklich nur 20m
entfernt, es gibt einen direkten Zugang zum Strand. Das Hostel erinnert eher an
ein Resort, auch wegen der Außenfassade der Dorms gegenüber der Bar- und
Vergnügungsecke (z.B. Beerpong-, Tischtennis- und Billardtische sowie Riesen-Jenga).Die
nächsten 5 Tage verbringe ich mit Surfen, zahlreichen Stunden in der Hängematte
und Zuschauen wie der Pool über fünf Tage zunächst gestrichen, getrocknet und
bis pünktlich zum Abend meiner Abreise befüllt wird.
| Loki hostel, Máncora |
Kurios
und ärgerlich die Erfahrung eines Nachts vor den Türen einer Outdoor-Party mit
Lagerfeuer. Während die anderen bereits den „Türsteher“ passiert hatten und ich
noch außerhalb des umzäunten Geländes warten soll werde ich plötzlich von sechs
herumlungernden Mototaxifahrern und Handpaaren
durchsucht. Das sei eine normale Prozedur, ich hätte bestimmt Drogen am Mann
sagt man mir. Habe ich natürlich nicht und das Ganze ist auch nur Vorwand mir
komplett die Taschen meiner Shorts auszuleeren. Bis ich das checke ist das
Theater auch schon vorbei und ich werde etwas verdattert hereingebeten als ich
den Verlust feststelle: eine Schachtel mit 5 Zigaretten, peruanische Währung im
Gegenwert von etwa 4€ und eine Verhüterli. Viel Spaß damit! Ich bekomme nach
Verkünden meiner Story ein Bier ausgegeben und bin froh, dass ich iPhone und
Portemonnaie im Hostel gelassen habe – die wären jetzt auch in den Besitz der Banditen
übergegangen…
| Sunset over the Pacific |
Umso
erfreulicher verläuft die Quiz-Night (Trivia). Die Regeln: 20 Fragen, je 20
Sekunden Zeit, strenges Smartphone-Verbot, das Gewinner-Team staubt drei
T-Shirts und drei Drinks ab. Wir treten gegen einige 4er- und 5er-Teams an, die
sich denken: Mehr Köpfe, bessere Chancen! Aber drei Drinks lassen sich nun mal
schlecht durch fünf teilen, also stelle ich mit Kelly (Australien) und Rob (Kanada)
ein Team. Fragen à la: „Welchen Song hören wir hier?“, „Wann fiel die Berliner
Mauer (Bonuspunkt: wann wurde sie gebaut)?“, „Wofür besitzt eine polyglotte
Person ein besonderes Talent?“, „Wie heißt die größte Pinguinart der Welt?“,
„Was ist der medizinische Fachbegriff für die Kniescheibe?“ sind keine große
Herausforderung. Long story short: Die Konkurrenz wurde gnadenlos eingestampft.
Mit 19 korrekten Antworten beobachtet uns das zweitplatzierte (5er-)Team mit 12
Punkten nur noch mit dem Fernrohr. Mir san mir. T-Shirts und Drinks her –
danke!
An
Heiligabend freue ich mittags bei 30°C mit der Family daheim zu skypen, die
gerade bei der Bescherung ist. Dies ist mein zweites Weihnachten ohne die
Lieben – 2009 habe ich zu dieser Zeit mit Max und Tobi Spielautomaten in Las
Vegas glühen lassen. Das Dinner am 1. Weihnachtstag ist für 50 Soles (ca. 15€)
äußerst erschwinglich – besteht es doch aus:
Vorspeise:
- Chips + Dips
- Truthahnbraten und Füllung
- Schweinebraten mit Apfelsoße
- Würstchen im Schlafrock
- Geröstete Kartoffeln und Kartoffelbrei
- Broccoli und Käse
- In der Pfanne gebackene Bohnen mit Speck
- Karotten und Koriander
Nachspeise:
- Pekannuss-Kuchen mit selbstgemachtem Vanilleeis
Dazu
eine Auswahl an Rot- und Weißweinen.
Frohes
Fest!
| Winner, winner, chicken dinner! |
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