Guayaquil
Nach
Guayaquil, der größten Stadt des Landes, fahre ich mit Gilles aus Belgien, der
für einige Zeit als Barkeeper im Loki in Máncora gearbeitet hatte. Am
Busbahnhof stellen wir fest: es ist heiß ohne Gnade, mit Temperaturen um 35°C
und kaum einem Lüftchen. Dazu kommt die Luftverschmutzung, eine Smogglocke
liegt über der Stadt. Nicht gerade einladend und so halte ich mich auch nicht
länger als unbedingt nötig in Guayaquil auf. Als Startflughafen für Ausflüge auf
die Galapagos-Inseln versuche ich hier noch einen guten Deal für Silvester zu
bekommen und günstig auf den Archipel zu kommen, auf dem Charles Darwin seine
Evolutionstheorie entwickelte. Leider habe ich mir nicht gerade die
unbeliebteste Reisezeit ausgesucht und so liegen die günstigsten Preise für
Flug inkl. 5-7 Tage Aufenthalt bei etwa
$1.500-2.000. Nun gut, eines Tages bestimmt. Spätestens 2014 bin ich ja
zur WM ohnehin wieder in auf dem Kontinent ;) Es bleibt mir so noch genug Zeit
um den 3km langen Malecón 2000 entlang zu schlendern, eine gut bewachte
öffentliche Fußgängerzone am Flussufer mit Essbuden, botanischem Garten,
historischen Galeeren vor Anker und einem 180° Grad IMAX-Kino. An dessen Ende
schließt sich das artistische Viertel Las Peñas auf dem Hügel Santa Lucia an,
das für seine vielen günstigen und traditionellen Restaurants sowie diversen
Bars bekannt ist. Nun trete ich aber zügig die Weiterreise (ca. 3 Stunden) an
die Pazifikküste Ecuadors an. Gilles entschließt sich anders und reist einer
Bekanntschaft aus Máncora hinterher, die mittlerweile in Cuzco ist und so löst
er am Terminal Tickets für einen Bus nach Lima und anschließend nach Cuzco, die
ihn (planmäßig, worauf man sich ja in Südamerika nicht so sehr versteifen
sollte) in entspannten 52 Stunden und für schlanke 150$ zur Herzdame bringen sollen.
Es ist der Abend des 29.12. … do the math! Viel Glück Junge!
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| On Cerro Santa Lucia in Guayaquil |
Montañita
Montañita
ist im Prinzip eine reine Partyhölle und dann gibt es noch ein bisschen Strand.
Beats pumpen hier von 4 Uhr nachmittags bis 10 Uhr morgens und so bin ich froh,
dass Casey (Australien) und Ralf (Djörmany) aus Máncora bereits ein Bett in
ihrem Dorm in Olón klargemacht haben. Das liegt hinterm Kliff eine etwa
3-minütige Taxifahrt für 1,50$ vom Epizentrum Montañita entfernt. Das Hostel
zweier junger Amerikaner, die hier Grundstück gekauft haben. bietet eine entspannte
Atmosphäre und so bleibt Zeit zum Filme schauen auf dem Beamer, Lesen, Chillen
und gelegentlich abends ausgehen. Auch einen Silvesterlauf (12km) am Strand
gönne ich mir, der nicht unwesentlich zum Schmerz am Neujahrsmorgen beiträgt.
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| On my New Year's Eve run |
Gemeinsam
ziehen wir an Silvester in unserer Hostel-Gruppe ins Dorf und feiern am Strand und in den
Straßen. Hier finden sich hauptsächlich rappelvolle und grölende Touris aus
Chile und Argentinien, da dort gerade Uni-Ferien sind. Am Strand werden alle
Sicherheitsvorkehrungen missachtet und so gibt es allerorten Lagerfeuer, in
welches die Ecuadorianer ihre teilweise lebensgroßen Pappfiguren (z.B. Super
Mario, Spiderman etc.) werfen bis es Bumm
macht und die Feuerwekrskörper im Innern explodieren. Andere werfen ihre
Raketen und Böller auch gerne mal so ins Feuer und diese schwirren dann in die
Menge oder Richtung Balkon irgendeiner Unterkunft mit Meeresblick. Auch in den
Morgenstunden findet die Afterhour am Strand in Sitzkreisen statt, wo Menschen
verschiedenster Herkunft sich ein frohes neues Jahr wünschen und mehr oder
weniger interessante Gespräche führen. Erinnert mich an zahlreiche Sommer auf
Sylt in jungen Jahren.
Neujahrsbeschluss:
nach 4-tägigem Faulenzen und unvernünftig hohem Alkoholkonsum wird es Zeit
wieder körperlich aktiv zu werden!
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| Happy new year 2013! |
Quito / Cotopaxi
Die
Übernachtfahrt ist grausam! Mit Abstand die fieseste bisher auf diesem
Kontinent. Zunächst lässt man uns vor Abfahrt eine Stunde im stickigen Bus
sitzen, der dann doch nicht losfahren kann und nach einer weiteren Stunde
Wartezeit am Terminal transferiert man uns in den ebenso stickigen Ersatzbus.
Glücklicherweise hat die Dame am Ticketschalter mir den unbeliebtesten Platz in
der letzten Reihe direkt vorm Klo zugeschustert. Der Sitz lässt sich hier nicht
nach hinten verstellen, wozu auch bei einer 8-stündigen Nachtfahrt? Mein
Sitznachbar ist vollschlank und benutzt deshalb meinen Platz zur Hälfte mit.
Als Dank dafür schnarcht er mir die ganze Nacht durch meine Ohropax hindurch
eine nette Melodie. Neben mir im Gang sitzt jemand auf einem Hocker und benutzt
später meine Schulter als Kissen. Nachdem ich irgendwann doch leicht eingenippt
bin dauert es nicht lange bis man uns unvorgewarnt wieder weckt, um uns mitten
in der Walachei in einen weiteren Bus umsteigen zu lassen. Hier schlägt die
Stimmung dann auch bei den Mitreisenden um und das Personal sieht sich
lautstarken Flüchen und Motzen ausgesetzt. Lateinamerikanisch temperamentvoll…
Morgens komme ich im Secret Garden Hostel in Quito an und nutze die Gelegenheit
kurz zu frühstücken und den Ausblick von der Dachterrasse auf die Stadt zu
genießen, bevor es unmittelbar im Minivan weitergeht. Ziel: Vulkan Cotopaxi
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| Cotopaxi what it could have looked like without clouds - © Google |
Das
Secret Garden dort ist ein wirklich schönes Hostel, idyllisch gelegen und
kostet 30$ inklusive dreier Mahlzeiten. Auch Fahrräder kann man hier umsonst ausleihen und so mache ich am Nachmittag eine kleine Tour (Stichwort Akklimatisierung: von Meereslevel in
Montañita ging es immerhin auf 3.500m am Fuße des Vulkans). Am nächsten Morgen
in der Früh folgt dann die avisierte Vulkanbesteigung. Bis 4.500m werden wir
mit dem Transporter gefahren und sind dort losgestiefelt. Über Lavagestein geht
es steil bergauf bis zum Refuge auf 4.800m, Wind und Schneefall werden dabei
zunehmend stärker und so genießen wir die heiße Schokolade, die man uns hier
serviert. Die Wetterbedingungen bleiben schlecht. Andere Gruppen ziehen von
hier erst gar nicht weiter, aber einige von uns inklusive Guide wollen es dann
doch wissen und bezahlt haben wir ja ohnehin. Etwa weitere 1,5 Stunden
schmerzhaften Trabens dauert es bis wir den Gletscher auf ca. 5.100m erreichen.
Weiter hinauf geht es heute nicht – Der Umstand, dass wir knietief im Neuschnee
stehen und festgefrorene Eisschicht auf der Kleidung sowie kräftige Windböen
machen den Aufstieg für uns unmöglich. Dennoch habe ich diese super Tour
absolut genossen. Die meiste Zeit zumindest. So legen Kevin und ich die ersten
20km bergab zurück ab 4.500m Höhe dann auch als einzige mit dem Bike zurück.
Weil wir einen an der Klatsche haben und es trotz Schneeböen und
durchgenudelter Bremsen ein irrer Spaß ist. Übrigens habe ich während der zwei
Tage dort den Cotopaxi nie zu Gesicht bekommen, da er ständig wolkenverhangen
war. So in etwa hätte er aussehen können: (Google Bild?). Am Nachmittag geht es
noch zurück nach Quito. Auf dem Weg werden wir von einer amerikanischen Familie
aus Colorado begleitet, die den gesamten Weg aus den Staaten mit dem Auto
zurückgelegt haben. Bei Ankunft in Quito wird selbiges aus völlig fingierten
Gründen von der Polizei konfisziert und darf gegen eine Zahlung von ca. $100 am
nächsten Morgen wieder abgeholt werden. Korrupte Offizielle – einmal mehr.
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| The glacier |
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| A Yeti |
Für
den nächsten Tag stricke ich mir eine kleine Stadttour zusammen, bei der ich
mir die schöne Kirche und die Aussicht von selbiger anschaue sowie ein wenig in
der historischen Altstadt flaniere.
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| The Church of the Society of Jesus |
Später fahre ich zur Mitte der Welt („Mitad del Mundo). Auch bekannt als Äquator (offensichtlich
namensgebend für dieses Land), der hier gleich an zwei verschiedenen Orten
angetroffen werden kann. Das ursprüngliche und heute etwa 30m hohe Monument aus
dem 18. Jhd. ist noch gut 300m falsch platziert. Offizielle GPS-Messungen
ermitteln den exakten Breitengrad an etwas anderer Stelle und so gibt es dort
ein kleines und äußerst interessantes Museum mit einer geführten Tour und Infos
über die indigenen Kulturen Ecuadors plus lustiger Experimente à la ‚Hier kommt
die Maus‘. Zum Beispiel testen wir den Effekt der Coriolis-Kraft auf den Ablauf
des Wassers. Es ist tatsächlich wahr, was wir bereits aus den Simpsons wussten: Der Klowasserstrudel
fließt auf der nördlichen und südlichen Atmosphäre in unterschiedlichen
Richtungen ab. Direkt auf dem Äquator fließt das Wasser gerade nach unten durch
den Abfluss. Außerdem ist es wegen sich ausgleichender magnetischer Kräfte
möglich ein Ei auf einer Nagelspitze zu balancieren. Immer noch recht tricky,
aber versuch das mal in Deutschland… Auch wie bei der Polizeikontrolle mit
geschlossenen Augen auf der imaginären Äquatorlinie zu laufen ist spaßig. Dem
Gleichgewichtssinn im Ohr fehlt hier jegliche Orientierung und man taumelt wie
mit 2 Promille.
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| This is the middle of the world |
Nach diesem Ausflug geht es wieder zurück nach Quito und später
von dort weiter ins wundervolle Kolumbien. Yippieh ay yeah!
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| Attractive guy in his mid-twenties standing on the equator |