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Monday, January 21, 2013

Ecuador

Guayaquil
Nach Guayaquil, der größten Stadt des Landes, fahre ich mit Gilles aus Belgien, der für einige Zeit als Barkeeper im Loki in Máncora gearbeitet hatte. Am Busbahnhof stellen wir fest: es ist heiß ohne Gnade, mit Temperaturen um 35°C und kaum einem Lüftchen. Dazu kommt die Luftverschmutzung, eine Smogglocke liegt über der Stadt. Nicht gerade einladend und so halte ich mich auch nicht länger als unbedingt nötig in Guayaquil auf. Als Startflughafen für Ausflüge auf die Galapagos-Inseln versuche ich hier noch einen guten Deal für Silvester zu bekommen und günstig auf den Archipel zu kommen, auf dem Charles Darwin seine Evolutionstheorie entwickelte. Leider habe ich mir nicht gerade die unbeliebteste Reisezeit ausgesucht und so liegen die günstigsten Preise für Flug inkl. 5-7 Tage Aufenthalt bei etwa  $1.500-2.000. Nun gut, eines Tages bestimmt. Spätestens 2014 bin ich ja zur WM ohnehin wieder in auf dem Kontinent ;) Es bleibt mir so noch genug Zeit um den 3km langen Malecón 2000 entlang zu schlendern, eine gut bewachte öffentliche Fußgängerzone am Flussufer mit Essbuden, botanischem Garten, historischen Galeeren vor Anker und einem 180° Grad IMAX-Kino. An dessen Ende schließt sich das artistische Viertel Las Peñas auf dem Hügel Santa Lucia an, das für seine vielen günstigen und traditionellen Restaurants sowie diversen Bars bekannt ist. Nun trete ich aber zügig die Weiterreise (ca. 3 Stunden) an die Pazifikküste Ecuadors an. Gilles entschließt sich anders und reist einer Bekanntschaft aus Máncora hinterher, die mittlerweile in Cuzco ist und so löst er am Terminal Tickets für einen Bus nach Lima und anschließend nach Cuzco, die ihn (planmäßig, worauf man sich ja in Südamerika nicht so sehr versteifen sollte) in entspannten 52 Stunden und für schlanke 150$ zur Herzdame bringen sollen. Es ist der Abend des 29.12. … do the math! Viel Glück Junge!
On Cerro Santa Lucia in Guayaquil
Montañita
Montañita ist im Prinzip eine reine Partyhölle und dann gibt es noch ein bisschen Strand. Beats pumpen hier von 4 Uhr nachmittags bis 10 Uhr morgens und so bin ich froh, dass Casey (Australien) und Ralf (Djörmany) aus Máncora bereits ein Bett in ihrem Dorm in Olón klargemacht haben. Das liegt hinterm Kliff eine etwa 3-minütige Taxifahrt für 1,50$ vom Epizentrum Montañita entfernt. Das Hostel zweier junger Amerikaner, die hier Grundstück gekauft haben. bietet eine entspannte Atmosphäre und so bleibt Zeit zum Filme schauen auf dem Beamer, Lesen, Chillen und gelegentlich abends ausgehen. Auch einen Silvesterlauf (12km) am Strand gönne ich mir, der nicht unwesentlich zum Schmerz am Neujahrsmorgen beiträgt. 
On my New Year's Eve run
Gemeinsam ziehen wir an Silvester in unserer Hostel-Gruppe ins Dorf und feiern am Strand und in den Straßen. Hier finden sich hauptsächlich rappelvolle und grölende Touris aus Chile und Argentinien, da dort gerade Uni-Ferien sind. Am Strand werden alle Sicherheitsvorkehrungen missachtet und so gibt es allerorten Lagerfeuer, in welches die Ecuadorianer ihre teilweise lebensgroßen Pappfiguren (z.B. Super Mario, Spiderman etc.) werfen bis es Bumm macht und die Feuerwekrskörper im Innern explodieren. Andere werfen ihre Raketen und Böller auch gerne mal so ins Feuer und diese schwirren dann in die Menge oder Richtung Balkon irgendeiner Unterkunft mit Meeresblick. Auch in den Morgenstunden findet die Afterhour am Strand in Sitzkreisen statt, wo Menschen verschiedenster Herkunft sich ein frohes neues Jahr wünschen und mehr oder weniger interessante Gespräche führen. Erinnert mich an zahlreiche Sommer auf Sylt in jungen Jahren.
Neujahrsbeschluss: nach 4-tägigem Faulenzen und unvernünftig hohem Alkoholkonsum wird es Zeit wieder körperlich aktiv zu werden!
Happy new year 2013!
Quito / Cotopaxi
Die Übernachtfahrt ist grausam! Mit Abstand die fieseste bisher auf diesem Kontinent. Zunächst lässt man uns vor Abfahrt eine Stunde im stickigen Bus sitzen, der dann doch nicht losfahren kann und nach einer weiteren Stunde Wartezeit am Terminal transferiert man uns in den ebenso stickigen Ersatzbus. Glücklicherweise hat die Dame am Ticketschalter mir den unbeliebtesten Platz in der letzten Reihe direkt vorm Klo zugeschustert. Der Sitz lässt sich hier nicht nach hinten verstellen, wozu auch bei einer 8-stündigen Nachtfahrt? Mein Sitznachbar ist vollschlank und benutzt deshalb meinen Platz zur Hälfte mit. Als Dank dafür schnarcht er mir die ganze Nacht durch meine Ohropax hindurch eine nette Melodie. Neben mir im Gang sitzt jemand auf einem Hocker und benutzt später meine Schulter als Kissen. Nachdem ich irgendwann doch leicht eingenippt bin dauert es nicht lange bis man uns unvorgewarnt wieder weckt, um uns mitten in der Walachei in einen weiteren Bus umsteigen zu lassen. Hier schlägt die Stimmung dann auch bei den Mitreisenden um und das Personal sieht sich lautstarken Flüchen und Motzen ausgesetzt. Lateinamerikanisch temperamentvoll… Morgens komme ich im Secret Garden Hostel in Quito an und nutze die Gelegenheit kurz zu frühstücken und den Ausblick von der Dachterrasse auf die Stadt zu genießen, bevor es unmittelbar im Minivan weitergeht. Ziel: Vulkan Cotopaxi
Cotopaxi what it could have looked like without clouds - © Google
Das Secret Garden dort ist ein wirklich schönes Hostel, idyllisch gelegen und kostet 30$ inklusive dreier Mahlzeiten. Auch Fahrräder kann man hier umsonst ausleihen und so mache ich am Nachmittag eine kleine Tour (Stichwort Akklimatisierung: von Meereslevel in Montañita ging es immerhin auf 3.500m am Fuße des Vulkans). Am nächsten Morgen in der Früh folgt dann die avisierte Vulkanbesteigung. Bis 4.500m werden wir mit dem Transporter gefahren und sind dort losgestiefelt. Über Lavagestein geht es steil bergauf bis zum Refuge auf 4.800m, Wind und Schneefall werden dabei zunehmend stärker und so genießen wir die heiße Schokolade, die man uns hier serviert. Die Wetterbedingungen bleiben schlecht. Andere Gruppen ziehen von hier erst gar nicht weiter, aber einige von uns inklusive Guide wollen es dann doch wissen und bezahlt haben wir ja ohnehin. Etwa weitere 1,5 Stunden schmerzhaften Trabens dauert es bis wir den Gletscher auf ca. 5.100m erreichen. Weiter hinauf geht es heute nicht – Der Umstand, dass wir knietief im Neuschnee stehen und festgefrorene Eisschicht auf der Kleidung sowie kräftige Windböen machen den Aufstieg für uns unmöglich. Dennoch habe ich diese super Tour absolut genossen. Die meiste Zeit zumindest. So legen Kevin und ich die ersten 20km bergab zurück ab 4.500m Höhe dann auch als einzige mit dem Bike zurück. Weil wir einen an der Klatsche haben und es trotz Schneeböen und durchgenudelter Bremsen ein irrer Spaß ist. Übrigens habe ich während der zwei Tage dort den Cotopaxi nie zu Gesicht bekommen, da er ständig wolkenverhangen war. So in etwa hätte er aussehen können: (Google Bild?). Am Nachmittag geht es noch zurück nach Quito. Auf dem Weg werden wir von einer amerikanischen Familie aus Colorado begleitet, die den gesamten Weg aus den Staaten mit dem Auto zurückgelegt haben. Bei Ankunft in Quito wird selbiges aus völlig fingierten Gründen von der Polizei konfisziert und darf gegen eine Zahlung von ca. $100 am nächsten Morgen wieder abgeholt werden. Korrupte Offizielle – einmal mehr.
The glacier 
A Yeti
 Für den nächsten Tag stricke ich mir eine kleine Stadttour zusammen, bei der ich mir die schöne Kirche und die Aussicht von selbiger anschaue sowie ein wenig in der historischen Altstadt flaniere. 
The Church of the Society of Jesus
Später fahre ich zur Mitte der Welt („Mitad del Mundo). Auch bekannt als Äquator (offensichtlich namensgebend für dieses Land), der hier gleich an zwei verschiedenen Orten angetroffen werden kann. Das ursprüngliche und heute etwa 30m hohe Monument aus dem 18. Jhd. ist noch gut 300m falsch platziert. Offizielle GPS-Messungen ermitteln den exakten Breitengrad an etwas anderer Stelle und so gibt es dort ein kleines und äußerst interessantes Museum mit einer geführten Tour und Infos über die indigenen Kulturen Ecuadors plus lustiger Experimente à la ‚Hier kommt die Maus‘. Zum Beispiel testen wir den Effekt der Coriolis-Kraft auf den Ablauf des Wassers. Es ist tatsächlich wahr, was wir bereits aus den Simpsons wussten: Der Klowasserstrudel fließt auf der nördlichen und südlichen Atmosphäre in unterschiedlichen Richtungen ab. Direkt auf dem Äquator fließt das Wasser gerade nach unten durch den Abfluss. Außerdem ist es wegen sich ausgleichender magnetischer Kräfte möglich ein Ei auf einer Nagelspitze zu balancieren. Immer noch recht tricky, aber versuch das mal in Deutschland… Auch wie bei der Polizeikontrolle mit geschlossenen Augen auf der imaginären Äquatorlinie zu laufen ist spaßig. Dem Gleichgewichtssinn im Ohr fehlt hier jegliche Orientierung und man taumelt wie mit 2 Promille. 
This is the middle of the world
Nach diesem Ausflug geht es wieder zurück nach Quito und später von dort weiter ins wundervolle Kolumbien. Yippieh ay yeah!
Attractive guy in his mid-twenties standing on the equator

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