Thursday, November 22, 2012
Chile
Hier der Bericht über die letzen zweieinhalb Wochen in Chile. Ein Facebook-Album mit mehr tollen Fotos folgt sobald ich in Bolivien Zeit und vernünftiges Internet habe. Das kann eine Weile dauern :) Ist aber mittlerweile geschehen!
Santiago:
Über
den Andenpass geht es auf einer spektakulären Fahrt Richtung Chile. An der
Grenze im Hochgebirge zieht sich die Prozedur wie Kaugummi. Nachdem alle
Stempel gesammelt und alle Koffer und Taschen gecheckt sind (Chile hat enorm
strenge Einfuhrbeschränkungen, z.B. für Lebensmittel) beginnt die Abfahrt zur
Landeshauptstadt Santiago de Chile. Ich treffe mich abends in El Golf mit
Francisco von Couchsurfing, hier im Finanzdistrikt der Stadt haben die Bars und
Straßenzüge enorme Ähnlichkeit mit den USA. Die Preise in etwa auch. Man merkt,
dass Chile das am weitesten entwickelte Land in Lateinamerika ist – gemessen an
westlichen Standards. Heute hat es in etwa dasselbe per capita Einkommen wie
Portugal und wird nach Aussage eines lokalen Guides anhand dieser Kriterien bald als erstes Land in
Lateinamerika den Status als 1. Welt Staat erreichen.
| Descending the Andes |
Der
Balkon des Hostels im 6. Stock bietet einen fantastischen Blick über die Plaza
de Armas, den Hauptplatz der Stadt, auf dem buntes Treiben herrscht.
Straßenverkäufer preisen ihre Ware an, Biebelprediger beschwören ihre (freiwilligen
und unfreiwilligen) Zuhörer, die Leute treffen sich hier in Cafés oder an
Essenständen, halten ein Pläuschchen und Touristen lassen sich ihre Kameras
klauen. Die Atmosphäre erinnert mich sofort an „Djemma el Fna“ in Marrakech.
Gleich, aber anders. Am Folgetag erhalte ich von Dominique eine Tour durch die
Stadt. Sie ist ebenfalls bei Couchsurfing und war so lieb sich einen Tag für
mich Zeit zu nehmen und mir die Highlights in einer „Walking Tour“
näherzubringen. Wir besteigen dabei unter anderem die Hügel der Stadt, den
schönen Cerro St. Lucia im Zentrum und später San Cristobal, der noch
wesentlich höher ist und einen imposanten, wenn auch völlig versmogten, Blick
auf die Stadt zulässt. Weitere Highlights dieser Tour sind der Besuch eines
Fotographie-Museums sowie auf der Plaza de la Constitución der
Presidentenpalast La Moneda. Dieser war 1973 Schauplatz des dramatischen
Militärputsches durch Augusto Pinochet, in dem jener, mit finanzieller
Unterstützung der USA, die Macht für 16 Jahre an sich riss. Zeitgleich
bedeutete der Putsch den Suizid Salvador Allendes – erster demokratisch
gewählter kommunistischer Präsident der Welt. Auch für eine einstündige Siesta
in einem kleinen Park bleibt Zeit, nachdem in Bellavista, dem Bohemian Viertel
Santiagos, günstig, ausgiebig und typisch chilenisch gespeist wurde (Burger mit
Beef, Tomaten, Mayonnaise, Ketchup, Avacadocreme). Auf dem Cerro Santa Lucia
habe ich eine andere typische chilenische „Speise“ probieren können: Mote con
huesillos. Eingekochte Pfirsiche in ihrem süßen Saft serviert mit eingelegten
Maiskörnern. Es ist allemal gewöhnungsbedürftig diesen Drink zu löffeln, aber
dennoch eine erfrischende Abwechslung in der prallen Mittagssonne.
In
meiner verbleibenden Zeit in der Hauptstadt besuche ich dann noch das Museum de
la Memoria, das sich ausgiebig mit den Ereignissen des oben erwähnten
Militärschlags befasst. So lerne ich, dass das Land zwar einen starken
wirtschaftlichen Aufschwung unter Pinochet erfährt, zur selben Zeit aber auch
tausende Menschen verschwinden oder gefangen genommen werden, zumeist
Oppositionelle oder deren Angehörige, zum Teil sogar Kinder. Diese werden in
Militärgefängnissen ähnlich der Konzentrationslager der Nazis gefangen
gehalten, gefoltert, ermordet. Der Verbleib hunderter Verschwundener
(„desaparecidos“) ist bis heute ungeklärt und auch Überreste Verstorbener
konnten teilweise bis heute nicht abschließend identifiziert werden. Die
Chilenen haben eine gespaltene Meinung über Pinochet, für die meisten ist
Salvador Allende jedoch ein Held.
Am
Nachmittag plane ich abzureisen, schaue mir aber vorher noch mit Anouk aus dem
Hostel den Früchte- & Gemüsemarkt „La Vega“ an sowie den Mercado Central,
in dem es äußerst fischig riecht. Wir gehen in ein „Café con piernas“ und sehen
Männer mit Anzug und Krawatte, die sich von leicht bekleideten Damen (Café con
piernas = Kaffee mit Beinen) Kaffee servieren lassen und gegen Trinkgeld
Schmeichel-/ Flirteinheiten erhalten. Einige dieser Cafés sind dafür bekannt,
dass es nicht unbedingt beim sexy Kaffee bleiben muss. Eine schräge Erfahrung.
Im Anschluss schauen wir noch in der Piojera-Bar vorbei, da mir ein lokaler
Drink (Terremoto/Erdbeben) empfohlen wird. Dieser besteht aus einer Mischung
aus Wein und Eiscreme plus Fernet on top. Wir versacken und ich beschließe eine
weitere Nacht zu bleiben.
| Plaza de Armas, Santiago de Chile |
Viña del Mar /
Valparaíso / Concon
Viña
und Valpo könnten unterschiedlich kaum daherkommen. Auf der einen Seite ist
Valparaíso, die größte Hafenstadt Chiles, zugleich die ärmste Stadt des Landes.
Die Kriminalitätsrate ist hier angeblich sehr hoch insbesondere nach Anbruch
der Dunkelheit. Unter keinen Umständen möchte ich diese Erfahrung jedoch
missen. Die Stadt besteht aus über 40 Hügeln und ist ein Patchwork aus Hafenviertel,
Plazas, bunten Häusern und Verzierungen an den Wänden (Murales, d.h.
Graffitis). Hier kann man stundenlang einfach nur über die Hügel schlendern und
die bunten, witzigen, teils anstößig, teils politisch gestalteten Wände bestaunen.
Einige der Hügel sind mit Acensores zu erreichen. Das sind Fahrstühle in
Kabinenform, die schräg den Hügel hinauffahren. Heute gibt es nicht mehr so
viele davon (zurzeit etwa 6), aber nach und nach werden alte restauriert und
wieder für den Personenverkehr freigegeben. Der Grund für die ärmlichen
wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt ist der dramatische Abstieg ab den 20er
Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Mit seinem strategischem Hafen und dem
Goldrush an der Westküste der amerikanischen Kontinente war Valparaíso einst
eine reiche Stadt. Mit der Öffnung des Panama-Kanals wurde sie als Hafenstadt
unbedeutender und verlor so an Wichtigkeit und betuchter Bevölkerung. Der Hafen
ist aber auch heute noch eine Bootstour wert und so bin ich einen Nachmittag
durch das Becken geschippert, vorbei an Seerobben, Kriegsschiffen, kleinen
Yachten, Fischerbooten und einem riesigen Frachtschiff mit der Aufschrift
„Hamburg Süd“.
| Colorful Valparaíso I |
Überhaupt
ist der deutsche Einfluss im Land nicht zu übersehen. Im Süden des Landes, so habe
ich mir erzählen lassen, ist ein Großteil der Familie deutschstämmig und man
kann mancherorts noch mit Menschen in antiquiertem Deutsch parlieren. Man sieht
in Chile aber auch Werbung für Bier deutscher Herkunft in deutscher Sprache, so
z.B. „Kunzmann. Das gute Bier.“ In Valpo fahren schwarz/rot/gold lackierte
Linienbusse der Marke Mercedes-Benz durch die Straßen auf deren Seite der
Aufdruck „Volksbus“ steht. Und im ganzen Land wird das spanische „Sí“
größtenteils durch das deutsche „Ja/Ya“ ersetzt und am Telefon begrüßt man sich
mit „Halo“ anstatt dem üblichen „Hola“. Und in Santiago gibt es im Ramschladen
die neuste Mode und die letzten Schuhkollektionen aus Alemania und New York ab
3€ aufwärts.
Ich
habe in Viña del Mar bei Sebastián (Couchsurfing) und Kirsten (seine
Mitbewohnerin) in einem Apartment direkt am pazifischen Ozean gewohnt. Kirsten
ist Jurastudentin aus Münster und stellt vor meiner Ankunft fest, dass wir
gemeinsame Freunde aus Hamm im Facebook haben. Ein lieber Gruß an dieser Stelle
an Roman und Patty. Die Welt ist eben doch sehr klein! Viña del Mar steht im
totalen Kontrast zu ihrer Schwesterstadt Valparaíso, obwohl nur 15 Minuten mit
dem Colectivo (geteiltes Taxi, das solange Leute einsammelt, bis die Karre voll
ist) entfernt. Geplant auf dem Reißbrett als moderner Naherholungsort für
wohlhabende Bewohner Santiagos und umliegender Gebiete beeindruckt es mit
sauberen und schön angelegten Strandabschnitten, Palmenalleen, schicken
Hochhausbauten und einer großen Mall nach amerikanischem Vorbild. Auf dem
ersten Blick könnte man nicht direkt unterscheiden, ob man sich nun in Florida,
Kalifornien oder eben doch in Chile befindet. Mich haben zwei Dinge hier
besonders Spaß gemacht: „James Bond – Skyfall“ auf Englisch mit spanischen
Untertiteln und die 10km Jogging an der Küstenstraße entlang hinauf nach
Concon. Dort habe ich auf einer großen natürlichen Sanddüne Fotos gemacht, die
auch in der Sahara entstanden sein könnten. Außerdem, einige haben vielleicht
das Video im Facebook gesehen, durfte ich mich im Sandboarding versuchen. Eine
Mordsgaudi, das habe ich mit Sicherheit nicht das letzte Mal gemacht.
Erwähnen
sollte ich noch das Chorillana bei J. Cruz in Valparaíso, wer hier vorbei kommt
darf es nicht verpassen. Fettige Pommes serviert mit Zwiebeln und einem Fleisch
das im Geschmack an Gulasch erinnert, dazu scharfe Soße. Das Lokal liegt in
einer kleinen Seitenstraße und ist ein Schatz für sich. Die Wände und Regale
sind voll mit Kitsch (u.a. Passbilder ehemaliger Gäste), die Tischdecken bemalt
mit Sprüchen. Während des Speisens wurden wir nacheinander von zwei
Gitarrenmusikern bespaßt, die ihre Schmachtfetzen zum Besten gegeben haben.
Hurtado, Valle Elqui – Hacienda Los Andes
Mitten
im Elqui Valley, einem ariden Landstrich in den Andenausläufern etwa 8
Busstunden nördlich von Santiago, beziehen wir gemeinsam eine von Deutschen
geführte Hazienda. Marion, bei der ich in Buenos Aires wohnen konnte, hat über
einen ehemaligen Kunden den Kontakt hergestellt und so kommen wir in den Genuss
einige Tage preisgünstig hier in der Abgeschiedenheit zu verbringen. Es bietet
sich ausreichend Gelegenheit für Dayhikes in der bizarren und hügeligen
Kakteenlandschaft, durch ein ausgetrocknetes Flussbett und vorbei an
stillgelegten Goldminen, kleinen Oasen, die mit Pfefferminz bewachsen sind und
einem vollständig erhaltenem Skelett einer Ziege, die hier ihre letzte
Ruhestätte gefunden hat. Während sich die Mädels mit Reitausflügen die Zeit
vertreibe genieße ich die Ruhe im wunderschönen Garten der Anlage, betätige
mich körperlich, lerne Spanisch oder Lese ein Buch (momentan: Paulo Coelho –
Schutzengel). Es bleibt auch Zeit für einen anstrengenden Mountainbiking Trip
ins nächste Bergdorf (8km entfernt), obwohl man die Ansammlung ca. 10 Häuser,
eines Platzes, einer Kirche und der Post, die gleichzeitig Kiosk und Friseur
ist kaum als Dorf bezeichnen kann.
| Blossoming cactus in the Valle de Elqui |
Auch über Astronomie lernen wir eine Menge,
eines Abends beobachten wir den Sternenhimmel vom Observatorium der Hacienda
und haben durch das Teleskop überwältigende Blicke auf den untergehenden Mars, Nebel
in einigen Millionen Lichtjahren Entfernung, die erst bei Betrachtung im
Teleskop auszumachen sind sowie einige
Sternebilder die wegen der Erdneigung lediglich aus der südlichen Hemisphäre zu
beobachten sind. Den großen oder kleinen Wagen gibt es hier zum Beispiel gar
nicht, ebenso wenig den Polarstern, dafür benutzt man hier das Kreuz des Südens
(Cruz del Sur) zur Orientierung. 320 wolkenlose Tage im Jahr und die absolute
Dunkelheit hier in den Anden durch das Fehlen jeglicher urbaner Siedlungen im
Umkreis dutzender Kilometer erlauben es mit bloßem Auge (!!!) die äußere Sichel
der Milchstraße zu beobachten. Auch was ich anfangs für leichte Quellwolken am
Himmel halte stellt sich nach Aufklärung durch Tanja, die auf der Hacienda
arbeitet und super Kenntnisse über den Sternenhimmel und die Einstellungen des
vollautomatischen und computergesteuerten Teleskops hat, als die magellanschen
Wolken heraus. Das sind (Begleit-)Galaxien, die alle paar Milliarden Jahre die
Milchstraße umkreisen und ebenfalls nur von der südlichen Halbkugel zu sehen
sind. Wir beobachten anschließend noch Sternenhaufen (es gibt deren zwei:
offene und Kugelsternhaufen) und weitere Objekte. Ich bin vollkommen sprachlos
nach dieser nächtlichen Lehrstunde in Astronomie. Absolut beeindruckend!
| Me and the telescope |
Nicht
unerwähnt bleiben soll das Nationalgetränk Chiles: Pisco. Ein Likör aus Beeren,
die hier im Elqui-Tal angebaut und destilliert werden. Gerne haben wir mit der
deutschen Belegschaft der Hacienda des Abends mit dem ein oder anderen Pisco
Sour (mit Limetten und Traubenzucker, manchmal auch mit Eiklar) angestoßen.
| Horses |
La Serena
La
Serena war als eintägiger Zwischenstopp auf dem Weg in den äußersten Norden des
Landes geplant und eigentlich gäbe es auch nichts Spektakuläres über diese
kleine Stadt an der Pazifikküste zu berichten. Doch das Schicksal hielt anderes
für mich bereit ;-)
Auf
dem Weg durch das Städtchen treffen wir an einer kleinen Kreuzung auf eine
Studentendemo. Die Polizei regelt hier den Verkehr und interessiert lese ich
die Forderungen der Demonstranten auf Banderolen nach geringeren
Studiengebühren, weniger Verschuldung aus dem Studium, niedrigeren Zinsen auf
Bildungskredite und den Abgesang auf den Kapitalismus. Bis auf letzteren Aspekt
für mich durchaus vertretbare Standpunkte. Dann nimmt das Drama seinen Lauf.
Während einige Vermummte noch Parolen brüllen sehe ich im Hintergrund bereits
Flammen. Ein Einkaufswagen mit einer Aufschrift „educación pública“, die
öffentliche Bildung, steht in Flammen, drei Autoreifen liegen daneben. Tolles
Motiv denke nicht nur ich und sehe wie einige Leute ihre Kameras zücken. Just
als ich den Auslöser drücke fliegt der erste Molotowcocktail in den Wagen eine
Stichflamme 1m neben mir lässt mich zurückspringen, die Reifen fangen Feuer
tiefschwarzer bestialisch stinkender Rauch steigt auf und nimmt der –
inzwischen etwas desorientiert und hilflos wirkenden – Polizei, die sich nun
auf der Kreuzung postiert, die Sicht. In diesem Moment fliegen dann auch die
ersten faustgroßen Steine Richtung Kreuzung und ich stehe blöderweise direkt
neben den Demonstranten, die nun alle vermummt sind und brüllen und sich eine
Straßenschlacht liefern. Wohlgemerkt, die Jungs und Mädels hier sind Studenten,
18-23 Jahre etwa. Ich bekomme etwas Panik und frage mich, ob es schlau ist zur
Kreuzung zu flüchten. Nach dem ersten vorsichtigen Schritt ins Ungewisse nimmt
mir eines der Randalo-Kids die Entscheidung ab und fragt mich, ob ich blöd sei
in den Steinehagel rennen zu wollen. Mittlerweile landen die Steine auf Autos
und in den Fensterscheiben der gegenüberliegenden Bankgebäude und einer
Apotheke. Während ein weiterer Molotov hochgeht renne ich ein Stück zurück mit
den Demonstranten und direkt neben mir schlägt eine Farbbombe an die Wand Ich
fühle Glassplitter gegen meinen Rücken prallen und etwas das sich wie warmer
Regen anfühlt. Eine Hand packt mich und zerrt mich in einen Hauseingang und ich
finde mich in einem Friseursalon wieder, dessen Besitzer direkt hinter mir die
Tür verrammelt und von innen die Ladengitter herunterlässt. Der warme Regen war
schwarze Farbe, die komplett von Kopf bis Wade über mich niedergegangen ist.
Ich sehe aus wie die Protagonisten in 101 Dalmatiner und die süße chilenische
Friseurin lacht mich an (oder aus?) und hilft mir Arme und Nacken zu waschen.
Nachdem es sich draußen beruhigt hat kehre ich zu den Mädels zurück, die in der
Apotheke verschanzt waren durch die auch Steine gefeuert wurden. Man sieht nun
Blaulicht, hört Sirenen und die Feuerwehr rückt mit mehreren Wagen an. Auf den
Schock essen wir anschließend in einem zugegebenermaßen fantastischen
Fisch-Restaurant Seezunge und fragen uns was uns wohl noch alles auf diesem
Trip erwartet. Den Pullover jedenfalls behalte ich als Andenken.
| View from the hostel's toilet window into the backyards, La Serena |
San Pedro de Atacama
Dieser
Ort im Norden Chiles liegt in der trockensten Region der Welt (Atacamawüste –
15 Millionen Jahre alt, 1/50 des Jahresniederschlags des Death Valleys in den
USA, es gibt Wetterstationen , die in ihrer Geschichte noch nicht einen Tropfen
Niederschlag verzeichnet haben, die Temperaturunterschiede zwischen Tag (30°C)
und Nacht (-15°C) können extrem sein) und darf getrost als Backpacker Paradise bezeichnet werden. Es gibt in unmittelbarer
Nähe zahllose Naturwunder und in den nicht asphaltierten Straßen San Pedros
finden sich eine Myriade Reiseagenturen, die ihre Dienste dem geneigten
Touristen anbieten. Die Stadt selbst ist mit knapp 3000 Einwohnern recht
überschaubar, die Lehmhütten haben nicht mehr als ein Stockwerk und man könnte
den Ort auch getrost als „San Perro“ (span. perro = Hund) bezeichnen wegen der
schier endlosen Anzahl an Hunden, die durch die Straßen, aber auch durch die
Hostels und Geschäfte streunen. Von hier bietet es sich an eine Tour nach Uyuni
in Bolivien zu buchen, die in drei Tagen und zwei Nächten über den Altiplano,
die Hochlagen des Nachbarlandes führt. Hier gibt es ähnlich spektakuläre Naturhighlights
wie in der Umgebung San Pedros zu bestaunen, nur dass sie nach Aussage vieler
Reisender, Einheimischer, des Internets und meines Reiseführers in Bolivien
noch größer & bunter daherkommen und zudem nur ein Bruchteil der Kosten im
teuren Chile bedeuten. Unser ursprünglicher Plan lediglich eine Nacht von
Sonntag auf Montag in der Wüstenoase zu verbringen wird allerdings komplett
zunichte gemacht wegen widriger Bedingungen für die Bolivien-Tour: Streiks und
Blockaden in der Laguna Verde (die Bolivianer fordern höhere Einnahmen aus den
Touri-Trips, die hier stattfinden) verhindern zunächst den normalen Tourverlauf
und die Einreise nach Bolivien auf diesem Weg. Nach Abklappern mehrerer
Agenturen und Stunden Recherche im Internet stellt sich heraus, dass auch
Dienstag und Mittwoche keine Touren stattfinden können wegen einer Volkszählung
in Bolivien und der damit verbundenen Grenzschließung. Wir reservieren
schließlich mit einem günstigen und vielversprechenden Anbieter für Donnerstag
(die 3-Tagestour kostet mit Übernachtungen, Vollverpflegung und Transport im
Jeep etwa 120€ inkl. aller Nationalparkeintritte). Nun bleiben 3 volle Tage um
in San Pedro zu relaxen und die Umgebung zu erkunden. Ein kurzer Abriss meiner
Aktivitäten:
- Valle de la Muerte: Skurille Felsformationen, geniale Aussichten auf aktive Vulkane und das nahe Hochplateau, eine 150m hohe Sanddüne, ein Snowboard …. eine Menge Spaß!
- Valle de la Luna: Mondlandschaften inmitten der Wüste.
- Laguna Cejar: Mit dem Rad fahre ich mittags im Mordstempo durch die völlig einsame Wüste zur 20km entfernten Salzwasser-Lagune. Zwischendurch platzt mir der Schlauch des Hinterrads auf der Schotterpiste mit Schlaglöchern. Ich brauche etwa 30 Minuten in brüllender Hitze und absolutem nichts, um den Schaden mit dem Notfallkit zu beheben. In dieser Zeit passiert nicht ein einziges Auto oder Rad die Strecke. Einmal angekommen bin ich bis auf anfangs zwei weiterer Touristinnen komplett alleine, da die Touri-Vans erst am Nachmittag anrollen, wenn es kühler wird und die Lagune wärmer ist. Ich gehe schwimmen und treibe auf der Oberfläche der Lagune. Der Salzgehalt ist so hoch, dass es unmöglich ist unterzutauchen und ohne eigenes Dazutun schwebt man an der Wasseroberfläche. Anschließend bin ich komplett weiß von dem Salz, das auf meiner Haut trocknet.
- Champions-League: Bayern wird zu meinem Unmut zugunsten der chilenischen Playoffs unterbrochen. Wer will bitte ernsthaft Colo Colo vs. Audax Italiano schauen? Dem Torjubel nach zu urteilen scheinbar alle :/ Dortmund läuft dafür heute im Wechsel mit Real und ich bin happy, dass die deutschen Vereine alle ihre Gruppe anführen. War doch schließlich so zu erwarten, oder?!
- Ich werde beim Geld abholen in der Bank angesprochen: „Hallo, bist du Maik Hesse aus Hamm?“, ich drehe mich um und erblicke Stefan Seegelken, mit dem ich früher gemeinsam aufs Stein-Gymnasium gegangen bin und Musik in der Big-Band gemacht habe. Habe ich weiter oben schon erwähnt, dass die Welt verdammt klein ist?
- Bier mit frisch gepresstem Zitronensaft, Salzrand und Chili-Gewürz. Gewöhnungsbedürftig.
| Sandboarding 150m high dunes |
| Sunset in San Pedro de Atacama |
| Laguna Cejar |
Morgen
in aller Frühe geht es dann also nach endloser Warterei Richtung Bolivien und
es stehen Vulkane, Lagunen, der größte Salzsee der Welt, Geysire und noch vieles mehr auf dem Programm. I'll keep you posted!
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